Stockholm. Regierung und Opposition in Schweden haben sich auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt, um vorgezogene Parlamentswahlen abzuwenden. Konstruktive Gespräche zwischen Rot-Grün und der Allianz aus vier bürgerlichen Parteien hätten es möglich gemacht, dass Schweden auch in dieser neuen Lage regiert werden könne, sagte der sozialdemokratische Premier Stefan Löfven am Samstag in Stockholm.

Die Minderheitsregierung aus Sozialdemokraten und Grünen bleibt damit zunächst am Ruder. Mit dem "Dezemberabkommen" stellen die Parteien im Reichstag - mit Ausnahme der Linken und der rechtspopulistischen Schwedendemokraten - sicher, dass Minderheitskoalitionen in Schweden auch künftig regieren können.

Rechtspopulisten verlieren Einfluss

Demnach wird der Kandidat, der die meisten Stimmen im Parlament auf sich vereinen kann, Ministerpräsident. Dessen Budgetentwurf soll den Reichstag passieren, indem sich das oppositionelle Lager bei der Abstimmung enthält.

Weiter einigten sich rot-grün und die bürgerlichen Parteien - Konservative, Christdemokraten, Zentrumspartei und liberale Volkspartei - auf eine Zusammenarbeit in mehreren Bereichen. Dazu gehören Verteidigung, Energie und Pensionsregeln. Das Abkommen soll bis zur übernächsten Parlamentswahl 2022 gelten. "Ich freue mich und bin stolz darauf, dass wir uns geeinigt haben", sagte Löfven.

Das Budget der rot-grünen Minderheitsregierung war Anfang Dezember im Parlament gescheitert, weil die Schwedendemokraten für den Vorschlag der Opposition gestimmt hatten. Daraufhin hatte Löfven Neuwahlen für März 2015 angekündigt. Offiziell ausgerufen werden sollte diese am kommenden Dienstag. Das ist nun hinfällig geworden.

Schwedendemokraten erbost

Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten haben als unmittelbare Reaktion auf die blockübergreifende Abmachung einen Misstrauensantrag angekündigt. Der amtsführende Parteichef Mattias Karlsson zeigte sich am Samstag erbost über die Vorgangsweise der etablierten Parteien.

Der Misstrauensantrag soll laut Karlsson "in Kürze" eingebracht werden und richte sich gegen Premier Stefan Löfven. "Er verdient es nicht, Schweden zu regieren", zitierte die Nachrichtenagentur TT den Rechstpopulisten-Sprecher. Er warf den Bürgerlichen vor, mit der Übereinkunft, die Minderheitsregierung Löfvens nicht noch einmal in dieser Legislaturperiode stolpern zu lassen, die Oppositionsrolle praktisch aufgegeben zu haben.

Durch die Abmachung zwischen Regierung und den vier bürgerlichen Parteien wird den Schwedendemokraten de facto die Möglichkeit genommen, in den kommenden vier Jahren nennenswerten Einfluss auf die Gesetzgebung in Schweden zu nehmen.