Paris/Athen. Die Entscheidung über einen Verbleib im Euroraum liegt nach Ansicht von Frankreichs Präsident Francois Hollande bei Griechenland selbst. Das sei Sache der Griechen, sagte Hollande in einem Radiointerview am Montag. Das Land habe ebenso wie etwa Spanien einen hohen Preis bezahlt, um in der Währungsgemeinschaft zu bleiben.

Der sozialistische Politiker bekräftigte zugleich seine Forderung, dass die Eurozone sich künftig mehr auf Wachstum konzentrieren müsse und weniger auf den Defizitabbau. "Europa darf nicht weiter über Sparen definiert werden", sagte Hollande.

Die Zukunft Europas
Der französische Staatschef kündigte außerdem für Sonntag ein Treffen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Straßburg an. Dabei solle es auch um die Zukunft Europas und die deutsch-französischen Beziehungen gehen.

Angesichts der bevorstehenden Neuwahl in Griechenland flammte die Debatte über einen Austritt aus der Eurozone wieder auf. Die in Umfragen führenden Linkspartei Syriza tritt für ein Ende des Sparkurses ein, der dem hoch verschuldeten Land von den internationalen Geldgebern auferlegt wurde. Einem Bericht des "Spiegel" zufolge halten Merkel und der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble einen griechischen Euro-Austritt inzwischen für verkraftbar.

Spekulationen über die deutsche Position
Die deutsche Regierung wies danach Spekulationen aber zurück, sie habe ihre Haltung zu einem Austritt Griechenlands aus dem Euro grundsätzlich geändert.

Der Vize-Fraktionschef der Unionsfraktion, Michael Fuchs, legte jedoch noch einmal nach. "Wenn die Griechen nicht bereit sind, den eingeschlagenen Sparkurs und die Reformen fortzusetzen, müssen sie den Euroraum verlassen", sagte er der Zeitung "Die Welt" vom Montag. "Da teile ich voll und ganz die Meinung der Bundeskanzlerin und des Bundesfinanzministers."

Auch der CDU-Politiker und einflussreiche Europaparlamentarier Elmar Brok hat Griechenland mit dem Zudrehen des Brüsseler Geldhahnes gedroht, sollte Athen nach der Neuwahl den Spar- und Reformkurs verlassen: "Dann wird es ohne die Erfüllung der Bedingungen keine weitere Unterstützung geben. Das muss völlig klar sein", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Sollte Griechenland aus dem Euro ausscheiden müssen, sei die Eurozone wegen der Bankenunion und anderer Reformen der vergangenen drei Jahre in der Lage, dies "besser zu kontrollieren", sagte Brok weiter. Der Euro sei "nicht mehr gefährdet". Der Ausstieg Athens aus der Gemeinschaftswährung wäre dennoch ein "fatales Zeichen" und würde zu einer "dramatischen Verarmung der (griechischen) Bevölkerung führen".

SPD-Vize-Fraktionschef Carsten Schneider forderte dagegen im Berliner "Tagesspiegel" ein Ende der Debatte über das Thema. "Ein Austritt der Griechen wäre abenteuerlich", sagte er. Auch für die Stabilität der Euro-Länder und der gemeinsamen Währung wäre ein solcher Schritt "sehr gefährlich". SPD-Chef Sigmar Gabriel erklärte in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", Deutschland und die Eurozone seien nicht mehr erpressbar, sollte Griechenland nach der vorgezogenen Wahl am 25. Jänner seinen Spar- und Reformkurs ändern. Wie CDU-Generalsekretär Peter Tauber im "Deutschlandfunk", so forderte auch Gabriel Griechenland auf, sich weiterhin an seine Zusagen zu halten.

Der Wirtschaftsweise Lars Feld forderte im "Handelsblatt" die Europäische Zentralbank (EZB) mit Blick auf die Wahl in Griechenland auf, nicht am 22. Jänner schon über die umstrittenen Ankäufe von Staatsanleihen zu entscheiden. "Wenn die EZB drei Tage vor der Wahl umfassende Staatsanleihenkäufe beschließen würde, wäre das sehr schädlich für ihre Reputation", sagte er. Schließlich müsse sich auch die EZB für einen Austritt Griechenlands aus dem Euro wappnen.