Frankfurt/New York. (wh) Ein Euro zu 1,1747 US-Dollar - mit diesem Kurs startete der gerade erst aus der Taufe gehobene Euro in Sydney am 4.Jänner 1999 sein Dasein - damals noch als Buchgeld - auf den Devisenmärkten. Am Donnerstag war es dann wieder einmal so weit: Die schwächelnde Währung der Eurozone fiel am Mittwoch mit einem Tagestief von 1,1725 US-Dollar erstmals wieder seit neun Jahren unter ihren Ausgabekurs, nachdem sie bereits seit einigen Tagen knapp über dieser Marke pendelte. Im Laufe des Tages sprang der Euro dann wieder über diese psychologische Marke.

Von einem historischen Tiefstand ist der Euro im Vergleich zum US-Dollar aber immer noch weit entfernt. Bereits kurz nach dem Start ging es mit der neuen Währung steil bergab. Schon im Dezember seines ersten Jahres rutschte der Euro unter den Kurs von einem Dollar. Im Herbst 2000, der Euro notierte bei 0,85 Dollar, begannen sich Experten Sorgen zu machen, der schwache Neuling am Devisenmarkt könnte eine Gefahr für die Stabilität des internationalen Finanzwesens darstellen. Doch die reibungslose Einführung des Euro als Bargeld zu Jahresbeginn 2002 hob den Kurs dann im Jahresverlauf wieder auf über die Marke von einem Dollar. Und über dieser Marke hat sich die Währung von 19 Mitgliedstaaten der Eurozone und ihren 334 Millionen Einwohnern seitdem auch gehalten (die EU hat 28 Mitgliedstaaten und rund 507 Millionen Einwohner).

Dass der Euro seit Mai dieses Jahres rasant an Wert verloren hat - von 1,40 auf nunmehr nur noch 1,17 US-Dollar -, mag gelernte Bürger eines Hartwährungslandes, also im Wesentlichen Deutsche und Österreicher, nervös zu machen. Makroökonomisch allerdings könnte die Schwächeperiode der Währung einen Beitrag dazu leisten, die konjunkturell schwächelnde Eurozone wieder in Schwung zu bringen. Zwar verteuert ein niedriger Kurs automatisch den Erwerb von Waren oder Dienstleistungen außerhalb der Währungszone. Diese negativen Konsequenzen werden jedoch durch die derzeit billigen Preise von Rohöl und anderen Rohstoffen, die traditionell in Dollar verrechnet werden, mehr als wettgemacht. Vor allem aber ist ein schwacher Euro ein Wettbewerbsvorteil für die stark exportorientierte Wirtschaft der Eurozone.

Experten weisen zudem auf den Umstand hin, dass der Höhenflug des Euro gemessen an den wirtschaftlichen Fundamentaldaten der Eurozone nicht gerechtfertigt gewesen sei und ein sogenannter fairer Wert irgendwo bei 1,25 Dollar liege. So gesehen würde sich der Wert des Euro immer noch im Rahmen der tatsächlichen Wirtschaftskraft der Eurozone bewegen. Prognosen der großen Investmentbanken sehen den Kurs des Euro für das laufende Jahr mehrheitlich zwischen 1,0 und 1,26 Dollar.