Frankfurt/Zürich. Die Abkehr vom Euro-Mindestkurs durch die Schweizer Notenbank hat den Euro am Donnerstag stark belastet. Die SNB gibt den vor mehr als drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken auf. Der Euro fiel zum Dollar auf ein Elf-Jahrestief von 1,15795 Dollar.

An der Börse in Zürich brach der Leitindex SMI um knapp acht Prozent ein. Vor allem exportorientierte Werte litten stark: Mit einem Minus von je rund 12 Prozent waren Holcim und Transocean die größten Verlierer. Die Index-Schwergewichte Roche und Novartis verloren jeweils mehr als sieben Prozent. Am besten hielten sich die Aktien der Swisscom mit einem Kursverlust unter zwei Prozent.

Schweizer Notenbankchef rechtfertigt Kehrtwende
Der Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, hat die überraschende Aufgabe des Franken-Mindestkurses gerechtfertigt. Der Moment sei richtig gewesen, das Kursziel von 1,20 Franken je Euro aufzugeben, sagte Jordan am Donnerstag vor Journalisten. Ein Festhalten an dem Kursziel hätte auf lange Sicht keinen Sinn ergeben.

"Der Ausstieg musste überraschend erfolgen", erklärte er. Die Finanzmärkte hat dieser Schritt kalt erwischt. Sie reagierten mit heftigen Turbulenzen. Schließlich hatte die SNB bis zuletzt zugesichert, das Kursziel unter allen Umständen mit unbegrenzten Devisenkäufen verteidigen zu wollen.

Jordan trat auch Vermutungen entgegen, die SNB könnte faktisch zu dem Schritt gezwungen gewesen sein. Marktdruck sei nicht ausschlaggebend gewesen, so der Notenbankchef. In den vergangenen Wochen war der Euro-Franken-Kurs an der Grenze von 1,20 Franken förmlich geklebt. Ein wichtiger Grund dafür waren Erwartungen einer noch lockereren Geldpolitik im Euroraum. Die SNB musste deswegen den Franken mit stetigen Devisenkäufen schwächen, um die Kursgrenze zu verteidigen.

Zugleich zeigte sich Jordan zuversichtlich, dass die Zinspolitik der SNB den Auftrieb des Franken bremsen kann. "Der Negativzins wird stark wirken", betonte Jordan. Als begleitenden Schritt zur Aufgabe des Mindestkurses hat die SNB am Donnerstag den Zins für Bankeinlagen bei der SNB weiter ins Negative gesenkt. Mit einem negativen Zins für Kleinsparer rechnet der SNB-Chef aber nicht.

Auch eine Deflationsspirale aus stark fallenden Verbraucherpreisen und schrumpfendem Wachstum sei nicht zu erwarten. 2015 rechnet die SNB aber mit einer Verbilligung von 0,1 Prozent. Mit dem fortschreitenden Ölpreiszerfall sinken die Aussichten weiter

Die Schweizer Wirtschaft hatte der Mindestkurs vor schwerem Schaden bewahrt, sagte Jordan weiter. In der letzten Zeit hätten sich die Unterschiede in der geldpolitischen Ausrichtung der bedeutenden Währungsräume aber verschärft. Das dürfte sich fortsetzen. Der Euro wertete gegenüber dem US-Dollar deutlich ab. Dadurch schwächte sich auch der Franken zur US-Währung ab, wie der SNB-Präsident ausführte. Vor diesem Hintergrund sei die Notenbank zum Schluss gekommen, dass die Durchsetzung und die Beibehaltung des Franken-Euro-Mindestkurses nicht mehr gerechtfertigt sei.