Zürich. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) setzt seit heute Donnerstag auf ein neues und bis jetzt unerprobtes Instrument im Kampf gegen die Aufwertung des Frankens: Negativzinsen auf Guthaben. Was aber sind negative Zinsen, wer muss sie bezahlen und wie sollen sie wirken?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am 18. Dezember 2014 angekündigt, Negativzinsen auf den 22. Jänner 2015 einzuführen. Inhaber eines Girokontos bei der SNB müssen ab diesem Zeitpunkt einen Strafzins von 0,25 Prozent auf einem Teil ihrer Einlagen zahlen. Am 16. Jänner hat die SNB diesen Strafzins auf 0,75 Prozent erhöht.

Großzügige Freibeträge
Betroffen von der Maßnahme sind alle Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter. Die Nationalbank gewährt ihnen jedoch großzügige Freibeträge. Einlagen unter 10 Millionen Franken (10 Millionen Euro) oder das 20-fache der gesetzlichen geforderten Mindestreserven müssen nicht verzinst werden. Diese Freibeträge führen dazu, dass die meisten größeren inländischen Banken voraussichtlich keine Strafzinsen zahlen müssen. Ausländische Banken und nicht reservepflichtige Institute wie Versicherungen, internationale Organisationen und andere Zentralbanken jedoch müssen mit zusätzlichen Kosten rechnen.

Die Schweizer Nationalbank kämpft seit der Finanzkrise mit verschiedenen Maßnahmen gegen die Aufwertung des Schweizer Frankens. Die Einführung von Negativzinsen ist ein weiteres Mittel in diesem Kampf. Die Nationalbank setzt neu auf diese Maßnahme, weil die Beibehaltung des Mindestkurses laut SNB zu einer nicht zu verantwortenden Aufblähung der Bilanz der Nationalbank geführt hätte. Zur Aufwertung tendiert der Schweizer Franken, weil er als sichere Währung in Krisenzeiten gilt. Aktuell sorgen vor allem die Krise in Russland und die verschiedenen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen die Eurokrise dafür, dass der Schweizer Franken stark gefragt ist. Eine Aufwertung des Frankens schadet der Schweizer Exportwirtschaft und dem Tourismus, weil er ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz im Ausland verteuert.

Lockerung und Aufwertung
Um Negativzinsen einzuführen, musste die Nationalbank die allgemeinen Geschäftsbedingungen anpassen. Dies kann sie nur unter der Einhaltung einer Frist von einem Monat. Darüber hinaus dürfte die Datumswahl auch darum auf den 22. Jänner gefallen sein, weil an diesem Tag die erste zinspolitische Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) stattfindet. An dieser soll über das Paket einer quantitativen Lockerung beschlossen werden, das geeignet ist, den Schweizer Franken weiter aufwerten zu lassen.