Frankfurt. (wak) Der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi wiederholte sein Mantra fünf Mal bei der Pressekonferenz. Wieder und wieder betete er den Journalisten in Frankfurt vor: Das Mandat der EZB, sein Mandat, "ist Preisstabilität. Das bedeutet, wir müssen die Inflation bei knapp zwei Prozent halten."

Draghi verdoppelt Erwartungen
Draghi verdoppelt Erwartungen

Bekanntermaßen ist man davon in der Eurozone schon seit längerem weit entfernt. Im Durchschnitt lag die Inflation im Euroraum bei 0,4 Prozent im Jahr 2014, zuletzt fielen die Preise sogar um 0,2 Prozent.

Neuesten Prognosen zufolge - vorausgesetzt, der Ölpreis bleibt weiterhin so niedrig - würde die Inflation heuer über den Jahresvergleich auch nur bei mickrigeren 0,3 Prozent liegen. Wenn man nicht stark gegensteuern würde.

Und genau dazu haben sich der EZB-Chef und sein Team mit "großer Mehrheit" entschlossen. Draghi gab am Donnerstag bekannt, dass die EZB ab März mit Quantitative Easing (QE) beginnt, mit dem groß angelegten Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen. Die Ausmaße sind dabei beachtlich: 60 Milliarden Euro sollen pro Monat von der EZB für solche öffentlichen und privaten Anleihen ausgegeben werden. Das ist mehr, als allgemein erwartet wurde; das Programm soll bis Ende September 2016 laufen. Das Programm würde sich diesfalls auf rund 1100 Milliarden Euro kulminieren. Die meisten Experten hatten mit einem Programm in der Höhe von 500 bis 600 Milliarden Euro gerechnet, die Märkte hatten das in etwa schon im Vorfeld eingepreist - und Draghi verdoppelte nun diese Summe.

Dabei hatte die EZB schon vor längerem angekündigt, ihre Bilanzsumme von 2000 Milliarden auf 3000 Milliarden Euro auszuweiten.

Draghis Shopping-Tour könnte allerdings schon vor dem September 2016 eingestellt werden - nämlich wenn die Inflation mittelfristig stabil bei knapp unter zwei Prozent liegt. Was in diesem Zusammenhang "mittelfristig" bedeutet, das wollte Draghi nicht verraten. "Ich will nicht über genaue Deadlines spekulieren."

Draghi tritt mit der Geldschwemme von monatlich 60 Milliarden Euro auch größenordnungsmäßig in die Fußstapfen des ehemaligen Chefs der US-Notenbank. Ben Bernanke hatte sich seinen Spitznamen "Helikopter Ben" dadurch verdient, dass er Dollarnoten regnen ließ - und damit die lahmende US-Konjunktur auf Trab brachte. Die US-Notenbank Fed begann unter seiner Ägide monatlich Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar - umgerechnet 61 Milliarden Euro - zu kaufen. Das Programm läuft erst heuer langsam aus.