Dresden/Wien. (da) Zwei Personen waren es, die Pegida in den vergangenen Monaten nach außen vertreten haben, Lutz Bachmann und Kathrin Oertel. Und binnen einer Woche ziehen sich beide - mehr oder weniger freiwillig - zurück. Am Mittwoch wurde bekannt, dass Oertel ihre Funktion als Sprecherin der selbsternannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" zurückgelegt hat. Zuvor musste Bachmann, der Pegida maßgeblich aufgebaut hat, aufgrund ausländerfeindlicher Postings auf Facebook seinen Hut nehmen.

Fünf Rücktritte

Über die Gründe von Oertels nunmehrigen Rückzug bestehen widersprüchliche Angaben. Auf Pegidas Facebook-Seite wurde am Mittwoch nur ein dürres Kommuniqué veröffentlicht. Von "massiven Anfeindungen, Drohungen und beruflichen Nachteilen" für die Sprecherin ist die Rede, ohne Konkretes zu nennen. Laut dem "Stern", der den Rückzug publik gemacht hatte, gebe es ein Zerwürfnis zwischen Bachmann und (ehemaligen) Mitstreitern. Zwar trat Pegidas Ex-Mastermind als Vorstand des gleichnamigen Vereins zurück, dem Vernehmen nach wollte der 41-Jährige die Zügel aber nicht ganz aus der Hand geben. Bei einem internen Treffen am Dienstagabend soll es zum Bruch gekommen sein. Bachmann hätte sich nicht aufrichtig von seinen Einträgen in den sozialen Medien distanziert. Daraufhin habe Oertel hingeworfen. "Es geht nicht um Personalien, sondern um unsere Sache", erklärte dagegen Pegida. Die Gruppe will erst am heutigen Donnerstag ausführlich Stellung nehmen.

Die 37-jährige Ex-Sprecherin Oertel ist nicht die Einzige, die nun auf Distanz geht. Vier weitere von zwölf Mitgliedern des sognenannten "Orga"-Teams, das sich um die Koordinierung der wöchentlichen Demonstrationen kümmert, zogen sich zurück: der Wirtschaftsberater Bernd-Volker Lincke, der frühere CDU-Stadtrat im sächsichen Meißen, Thomas Tallacker, Pegida-Vereinsvize Rene Jahn und Achim Exner, der Mitglied in der Euro-feindlichen Alternative für Deutschland ist.

Zwist um "radikalere" Leipziger

Auch inhaltliche Differenzen im "Orga"-Team werden nun offengelegt. Wirtschaftsberater Lincke kritisiert gegenüber der "Welt", dass ein Vertreter des Leipziger Pegida-Ablegers Legida zuletzt in Dresden auftrat. Dieser Zwist verdeutlicht den Zick-Zack-Kurs Pegidas. Erst vor einigen Tagen kritisierte das "Original" Nachahmer Legida und drohte gar mit einer Unterlassungsklage. Man wolle nicht ins rechtsextreme Spektrum abgleiten, hieß es.