Hamburg. Die Führungsspitze der islamkritischen deutschen Pegida-Bewegung bricht offenbar auseinander. Fünf Organisatoren rund um Sprecherin Kathrin Oertel legten ihre Ämter nieder, wie mehrere Mitglieder der Pegida-Spitze am Mittwoch verschiedenen Medien sagten.

  Hintergrund soll vor allem die Rolle des bereits zurückgetretenen Gründers Lutz Bachmann sein, der sich vergangene Woche wegen eines Fotos von ihm in Hitler-Pose und ausländerfeindlicher Äußerungen im Internet zurückgezogen hatte.

  Bachmann selbst bestätigte nun der "Süddeutschen Zeitung" den Rückzug von Oertel, über den zunächst das Magazin "Stern" berichtet hatte. Sie sei zurückgetreten, weil sie aus Antifa-Kreisen massiv bedroht worden sei, sagte Bachmann dem Blatt. Bei einer Neuwahl des Vorstands in der kommenden Woche stünden weder Oertel noch er zur Verfügung. "Ich bin auch froh, dass ich da draußen bin, ich will gar nicht mehr", sagte Bachmann.

  Oertel war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sie gehört seit einem Auftritt in der ARD-Talkshow von Günther Jauch zu den bekanntesten Gesichtern der Bewegung. In Dresden waren in den vergangenen Wochen immer wieder mehrere tausend Menschen bei Pegida-Demonstrationen auf die Straße gegangen. Auch in anderen Städten gab es Kundgebungen, die aber meist deutlich kleiner waren. Gegen Pegida wiederum demonstrierten vielerorts mehrere tausend Menschen.

  In der Sitzung des Pegida-Organisationsteams am Dienstagabend, bei der Oertel und weitere Organisatoren zurückgetreten sein sollen, ging es laut "Stern" um die Rolle Bachmanns in der Bewegung. Dieser wolle sich offenbar entgegen seiner Ankündigungen doch nicht ganz zurückziehen, berichtete das Magazin.

  Mitorganisator Bernd-Volker Lincke bestätigte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstagsausgabe) und "Spiegel Online" die Rücktritte. Bei einer Sitzung des Organisationsteams habe er seinen Austritt erklärt, sagte Lincke der "FAZ". Im Anschluss seien auch Oertel sowie die Vorstandsmitglieder Rene Jahn, Achim Exner und Thomas Tallacker aus dem Verein ausgetreten. Hauptgründe seien das Verhalten und die ausländerfeindlichen Äußerungen Bachmanns gewesen.

  Auch Pegida-Mitglied Jahn bestätigte die Rücktritte. Hintergrund sei der Verbleib von Bachmann im Organisationsteam sowie die mangelnde Abgrenzung zur Legida-Bewegung in Leipzig, sagte Jahn der "Bild"-Zeitung. Der Ableger der Pegida-Bewegung gilt als deutlich radikaler. Auch in Leipzig waren zuletzt mehrere tausend Menschen auf die Straße gegangen. Die Frage, ob und wie es nun mit Pegida weitergeht, wird das Team nach Angaben von Lincke am Donnerstag beantworten.