Gemeinsam treten Lutz Bachmann und Kathrin Oertel so schnell wohl nicht wieder auf. - © ap/Meyer
Gemeinsam treten Lutz Bachmann und Kathrin Oertel so schnell wohl nicht wieder auf. - © ap/Meyer

Dresden/Wien. Gute Bekannte scharte Lutz Bachmann um sich, als er im Oktober vergangenen Jahres Pegida initiierte. Eine von ihnen war Kathrin Oertel. Mittlerweile ist das Naheverhältnis perdu. Nach Oertels Rückzug als Sprecherin der selbsternannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" am Mittwoch suggerierte Bachmann, die 37-Jährige sei aus "Antifa-Kreisen" massiv bedroht worden, weswegen sie nicht mehr wolle. Oertel wies das umgehend und ausdrücklich zurück. Vielmehr wollte sie sich - gemeinsam mit vier Mitstreitern aus dem Demonstrations-Organisationsteam - nicht damit abfinden, dass Bachmann die Zügel bei Pegida nicht aus der Hand geben möchte. Der vorbestrafte Inhaber einer Grafikagentur stolperte vergangene Woche über alte Facebook-Einträge, in denen er Asylbewerber unter anderem als "Gelumpe" bezeichnet hatte. Bachmann erklärte, er werde aus allen Ämtern des Vereins Pegida ausscheiden.

Der zehnköpfige Verein ist nur ein Standbein Pegidas, daneben existiert das Orga-Team. In der Praxis hat der Verein Pegida die regelmäßigen Demonstrationen in Dresden angemeldet. Das Orga-Team besteht aus zwölf Personen. Ihm kehrten Oertel und Co. nunmehr den Rücken - nicht jedoch dem Verein Pegida. Eine Recherche der "Wiener Zeitung" ergab, dass sowohl Oertel als auch deren Mitstreiter Rene Jahn noch am Donnerstag im Vereinsregister als Pegida-Vorstände eingetragen waren. Ebenso Lutz Bachmann.

Fünf gegen fünf stand es im Verein, ob er trotz seiner Ausfälle weitermachen dürfe. Um den Pegida-Verein ist somit ein Kampf entbrannt, den keine Fraktion für sich gewinnen kann. Bachmann und seine Vertrauten können Oertel nicht hinauswerfen. Denn Entscheidungen bedürfen laut eigener Satzung einer Dreiviertelmehrheit. Bei zehn Mitgliedern sind somit acht Stimmen notwendig. Anstatt in eine ständige Blockadehaltung mit der Bachmann-Fraktion zu verfallen, will Oertel einen neuen Verein gründen. Im Gespräch sei die Bezeichnung "Bewegung für direkte Demokratie in Europa", bestätigte Bernd-Volker Lincke, der der Gruppe angehört, einen Bericht der "Sächsischen Zeitung".

Zwischendurch "konservativ"


Der eigentliche Schatz von Pegida dürfte unter der Kontrolle von Bachmanns Fraktion sein: die Facebook-Seite. Über das soziale Netzwerk mobilisiert Pegida. Rund 160.000 Personen haben dort auf den "Gefällt mir"-Button geklickt - mehr als bei jeder deutschen Partei. Nur 10.000 "Likes" fehlen, um so viele Anhänger wie die Regierungsparteien CDU und SPD gemeinsam zu haben.

"Wir lassen uns nicht kaputtmachen! Jetzt erst Recht [sic!], Schulter an Schulter!" So wirbt Pegida auf Facebook für die Freitag stattfindende Demonstration des Leipziger Ablegers Legida. 15.000 Menschen mobilisierte Legida zuletzt, gehofft hatte man auf mehr als doppelt so viele. Das interne Tauziehen um den Pegida-Kurs zeigt sich im Umgang mit Legida. Dort geben Rechtsextreme den Ton an, warnt der sächsische Verfassungsschutz. Als Bachmann und Oertel noch nicht offen zerstritten waren, unterstützten sie in einem Video die Leipziger. Als Oertel alleine Frontfrau war, hieß es plötzlich, man wolle verhindern, dass "Pegida in das rechtsextreme Spektrum abgleitet". Sie drohte den Leipzigern mit einer Unterlassungsklage. Auch bei ihrem Abschied aus dem Orga-Team kritisierten Oertel und Kollegen die Kooperation mit den Leipzigern. Davon will die Gruppe um Bachmann auf Facebook nichts wissen.

Über den inhaltlichen Kurs scheint sich Rest-Pegida aber selbst nicht im Klaren zu sein: Am Donnerstag bezeichnete man sich auf der eigenen Facebook-Seite zeitweise als "konservativ" - was die Stoßrichtung Oertels ist, die auch weg vom Thema Islamiserung will. Nur einige Stunden später wurde die Formulierung durch "Patriotische Europäer" ersetzt. Der namensgebende Zusatz "gegen die Islamisierung des Abendlandes" fehlt allerdings.

Wiener für "jede Demo"


Wie wirken sich die Querelen bei Pegida auf den Ableger in Wien aus? "Wir unterstützen jede Pegida-Demonstration, auch jene in Leipzig", sagt Georg Immanuel Nagel, Sprecher von Pegida Wien, zur "Wiener Zeitung": "Wir werden in einen politisch korrekten Distanzierungswettlauf, welcher in Deutschland offenbar gerade um sich greift, aber nicht einsteigen." Indes wurden Details zur Wiener Kundgebung beaknnt: Sie startet Montagabend auf der Freyung und soll "ein oder zwei" Reden umfassen. Bachmann und Oertel planen derweil zwei voneinander unabhängige Demonstrationszüge in Dresden. Einig sind sich die beiden nur beim Datum: 9. Februar.