Rom. Im römischen Parlament hat am Donnerstagnachmittag die Wahl des neuen Staatspräsidenten begonnen. 1009 Parlamentarier und Vertreter der 20 Regionen müssen den Nachfolger des vor zwei Wochen zurückgetretenen Giorgio Napolitano wählen.

Sergio Mattarella gilt als Favorit des Regierungschefs. - © reu/Archiv
Sergio Mattarella gilt als Favorit des Regierungschefs. - © reu/Archiv

Als offizieller Kandidat von Regierungschef Matteo Renzi und seiner Demokratischen Partei (PD), der stärksten Einzelpartei im Parlament, geht der sizilianische Verfassungsrichter Sergio Mattarella ins Rennen. Renzi geht davon aus, dass der ehemalige Verteidigungsminister im vierten Wahlgang am Samstag gewählt werde. Dann ist für die Wahl des Präsidenten keine Zweidrittel-Mehrheit mehr, sondern lediglich die absolute Mehrheit notwendig. Mit einem niedrigeren Quorum könnte es Renzis PD gelingen, den 73-jährigen Mattarella zu küren. Der wortkarge, rigorose Jurist aus Palermo kann auf eine lange politische Karriere im Zeichen des Kampfes gegen die Mafia zurückblicken. Der fünfmalige Minister Mattarella ist nicht nur ein Verfassungsrichter und erfahrener Parlamentarier. Er ist auch eine Galionsfigur im Kampf gegen das organisierte Verbrechen.

Mattarella studierte Jus und wuchs in einer Politikerfamilie auf. Sein Vater Bernardo zählte in den fünfziger und sechziger Jahren zu den Spitzenpolitikern der Democrazia Cristiana (DC). Nach dem Jus-Studium unterrichtete Sergio Mattarella als Professor für parlamentarisches Recht an der Universität Palermo, als sein Leben am 6. Jänner 1980 eine unerwartete Wende nahm. Sein Bruder Piersanti, Präsident der Region Sizilien, wurde in Palermo von Mitgliedern der Cosa Nostra erschossen. Ab diesem Moment beschloss Sergio Mattarella, sich der Politik und dem Kampf gegen die Mafia zu widmen.

Ein Gründer der Renzi-Partei

1983 wurde Mattarella erstmals ins Parlament gewählt, zuerst für die Democrazia Cristiana, danach für die Nachfolgeparteien Partito Popolare Italiano (PPI) und Margherita. Später zählte Mattarella zu den Gründern der sozialdemokratischen Partei PD des jetzigen Premiers Matteo Renzi.

1987 rückte Mattarella zum Minister auf, 1990 trat er zurück - aus Protest gegen ein von der Regierung verabschiedetes Gesetz, das auf entscheidende Weise den wirtschaftlichen Aufstieg des Medienunternehmers Silvio Berlusconi begünstigte. Mattarella zählte in den vergangenen Jahren stets zu den aktivsten Widersachern Berlusconis.

Nach dem Wahlsieg von Romano Prodi im Jahr 1996 kehrte Mattarella wieder in die Regierung zurück, als Verteidigungsminister schaffte er den verpflichtenden Militärdienst in Italien ab. Der international bisher wenig bekannt Sozialdemokrat ist der Vater von drei Kindern und seit 2011 Verfassungsrichter.

Bereits bei der Präsidentenwahl 2013 war Mattarella als Kandidat ins Rennen gegangen. Der Sizilianer war vom damaligen PD-Vorsitzenden Pier Luigi Bersani als Präsidentenkandidat vorgeschlagen worden. Damals zeigten sich die Parteien jedoch außerstande, einen neuen Staatschef zu wählen. Vereint baten sie daher den bereits seit 2006 als Staatsoberhaupt amtierenden Giorgio Napolitano, für ein zweites Mandat im Amt zu bleiben. Vor zwei Wochen war der 89-Jährige aber aus Altersgründen endgültig zurückgetreten.

Donnerstagabend konnte Mattarella im ersten Wahldurchgang nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit von 673 Stimmen erreichen. Die Parlamentarier der konservativen Forza Italia um Ex-Premier Silvio Berlusconi, sowie die rechte Regierungspartei NDC gaben als Protest zu Renzis Favorit leere Stimmzettel ab. Für Freitag sind zwei weitere Wahlgänge geplant, es wird jedoch auch da nicht mit einem Ergebnis gerechnet.