Bratislava. Am kommenden Samstag findet in der Slowakei ein Referendum statt, dass sich gegen eine Erweiterung von Homosexuellen-Rechten wendet. Im Volksentscheid, der von der kirchennahen "Allianz für Familie" (AZR) initiiert wurde, sollen die Slowaken gleichgeschlechtliche Ehen, Kinderadoptionen durch homosexuelle Paare sowie Sexualkunde an Schulen ablehnen.  Die nahende Abstimmung polarisiert das Land.

Mit über 400.000 Unterschriften von Mitbürgern, von denen laut Medienberichten ein Großteil in Kirchen gesammelt wurde, hatte die konservative Bürgerinitiative AZR den Volksentscheid erzwungen. Damit soll nach Angaben der Initiatoren aktuellen EU-Trends einer Ausweitung von Rechten für Homosexuelle entgegengewirkt werden, die sich auch in die Slowakei "einschleichen", so die Begründung. Viel Zustimmung erhielten die Konservativen von Anfang an von der römisch-katholischen wie auch der griechisch-katholischen Kirche.

Widerstand der Fernsehsender
Mit ihrer groß geplanten Wahlwerbung ist die AZR aber auf unerwarteten Widerstand der meistgesehenen Fernsehsender gestoßen, die sich kurzerhand weigerten, einen kontroversen Werbespot auszustrahlen, in dem zwei Männer einen kleinen Buben zur Adoption abholen. "Und wo ist die Mama?" fragt darin das Kind.

Nicht nur den Inhalt, sondern auch die Tatsache, dass Referendums-Gegner, Menschenrechtsorganisationen und Homosexuellen-Vereinigungen faktisch keinerlei Gegenkampagne führen, fanden die Sender störend. Es gehe um Ausgewogenheit, hieß es.

Kein ausgewogener Wahlkampf
Es ist tatsächlich kein ausgewogener Wahlkampf. Teils liegt dies an den Finanzen, denn die Gegner des Plebiszits haben keinerlei vergleichbare Finanzierung. Die AZR wird von der Kirche gesponsert. Es mangelt daher an Geld für eine richtige Werbekampagne mit Spots, Plakaten und Flugblättern.

Vertreter der Homosexuellen-Minderheit haben zudem beschlossen, auch die geplanten Fernsehdiskussionen zum Referendum kurzerhand zu boykottieren. Eine anständige Debatte sei mit der AZR nicht möglich, hieß es. Ihre ganze Argumentation "beschränkt sich auf zu oft präsentierte und widerlegte Lügen und Halbwahrheiten", erklärte die Initiative Inakost (Anderssein), die für Homosexuellenrechte kämpft. Man wolle nicht Teil einer solchen Diskussion sein.

Predigten in den Kirchen
Der Wahlkampf wurde damit hauptsächlich in die Kirchen und ins Internet verlagert. In Online-Foren wird seit Wochen lebhaft diskutiert, in Blogs werden beide Seiten heftig attackiert. Das Land ist in zwei unversöhnliche Lager gespalten. Auf ihrer speziell zum Referendum geschaffenen Internetseite nejdeme.sk ("Wir gehen nicht hin") fordern mehrere Organisationen für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgenderpersonen ihre Mitbürger auf, nicht zu den Wahlurnen zu kommen und den Volksentscheid damit scheitern zu lassen.