Kiew. Die prorussischen Separatisten haben nach Angaben des ukrainischen Militärs im Osten des Landes eine Großoffensive gestartet. Allein in den vergangenen 24 Stunden seien 80 Ortschaften und Stellungen mit Raketen sowie Artillerie angegriffen worden, sagte ein Militärsprecher am Mittwoch. Zwei Soldaten seien getötet, 18 weitere verletzt worden.

Die Verwaltung der Rebellenhochburg Donezk meldete unterdessen, ein Krankenhaus sei von einer Granate getroffen worden. Es habe mindestens fünf Tote und weitere Verletzte gegeben, hieß es nach Behördenangaben. Separatistenführer Andrej Purgin warf der ukrainischen Armee vor, ein dicht bewohntes Viertel mit schwerer Artillerie beschossen zu haben, in dem sich auch das Krankenhaus befindet. Er forderte eine Untersuchung durch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Besonders umkämpft ist die Ortschaft Debalzewo nordöstlich von Donezk. Die Separatisten wollen diesen Eisenbahnknotenpunkt erobern, der nach Angaben westlicher Beobachter im Minsker Abkommen aber der Kontrolle durch die ukrainische Armee zugeschlagen würde. Mit der Eroberung der Stadt würden die Separatisten eine logistische Verbindung zwischen den beiden von ihnen kontrollierten Gebieten Lugansk und Donzek erhalten.

EU und OSZE wollen Waffenstillstand aushandeln

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk sprach der Agentur Interfax-Ukraine zufolge von 2.500 Zivilisten, die in Sicherheit gebracht worden seien. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, die EU unterstütze die OSZE bei dem Bemühen, einen Waffenstillstand um Debalzewo auszuhandeln. Dieser müsse mindestens drei Tage gelten, damit Zivilisten das Kampfgebiet verlassen könnten.

Seit der Vereinbarung einer Waffenruhe im September haben pro-russische Rebellen Militärangaben zufolge etwa 300 ukrainische Soldaten getötet. Am Wochenanfang kündigten die Separatisten eine Massen-Mobilmachung an. Ziel sei eine Streitmacht von 100.000 Mann. Die USA hatten sich zuletzt zu möglichen Waffenlieferungen an die ukrainische Armee zurückhaltend geäußert.

Dauerfeuer hindert Menschen an Flucht

Helfer und Menschenrechtler beklagen eine schleppende Evakuierung in den unter Dauerfeuer stehenden Regionen Lugansk und Donezk. Wegen der heftigen Kämpfe in den Orten Awdejewka und Debalzewo könnten kaum noch Menschen in Sicherheit gebracht werden, teilte der staatliche ukrainische Zivilschutzdienst am Mittwoch mit.

Regierungstruppen und prorussische Separatisten berichteten am Mittwoch erneut von zahlreichen Toten im Konfliktgebiet Donbass.

Zwei Soldaten seien getötet und mehrere verletzt worden innerhalb von 24 Stunden, sagte Wladislaw Selesnjow vom ukrainischen Generalstab. Die von Russland unterstützten Aufständischen sprachen dagegen von 17 getöteten Soldaten. Zudem seien vier Zivilisten in der Region Donezk getötet worden, sagte Separatistenführer Eduard Bassurin.