München. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat den USA und der EU vorgeworfen, den Konflikt in der Ukraine durch ihr Vorgehen anzuheizen. Zu jedem Zeitpunkt der Auseinandersetzung hätten die USA und die Europäische Union Schritte unternommen, um die Krise weiter zu eskalieren, sagte er am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

So hätten sie etwa direkt den Putsch in der Ukraine gegen den damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch unterstützt, so Lawrow. Die deutsch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Francois Hollande hatten sich bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Freitag in Moskau um eine Entschärfung der Ukraine-Krise bemüht. Auf der Grundlage eines Vorschlags von Merkel und Hollande soll nun an einem gemeinsamen Dokument zur Umsetzung der Minsker Vereinbarungen gearbeitet werden. Am Sonntag sollen die Spitzengespräche in einer Telefonkonferenz unter Einbeziehung des ukrainische Staatschef Poroschenko fortgesetzt werden.

Lawrow sagte, er hoffe ernsthaft, dass die Spitzengespräche zu einer Lösung des Ukraine-Konflikts führten. Es gebe Grund für Optimismus, sagte er, ohne das näher auszuführen.

Autor Pollack für harte Haltung des Westens im Ukraine-Konflikt
Der österreichische Schriftsteller Martin Pollack befürwortet eine harte Haltung des Westens im Ukraine-Konflikt. Er stimme mit den USA überein, die Härte gegenüber Moskau befürworteten und eine "Appeasement"-Politik ablehnten, so Pollack am Samstag im Ö1-Mittagsjournal. Kritik übte er an Österreich, das er als "eher unsicheren Kantonisten" in seiner Haltung gegenüber Russland bezeichnete.

  Der Osteuropa-Experte bemängelte die mangelnde Geschlossenheit des Westens im Ukraine-Konflikt und erwähnte in diesem Zusammenhang auch die österreichische Skepsis gegenüber den Russland-Sanktionen. Damit befinde sich Österreich "nicht in bester Gesellschaft". Auch dass der russische Präsident Wladimir Putin "nur drei Monate nach der Annexion der Krim" in Wien mit "Standing Ovations" empfangen wurde, treibe ihm "die Schamröte ins Gesicht", so Pollack. Dies sei in Osteuropa "schlecht angekommen".

  Wenn man in dem "brandgefährlichen" Ukraine-Konflikt nachgebe, bestehe die "große Gefahr" einer Ausweitung auf die baltischen Länder. So lebe beispielsweise in Lettland eine große russische Minderheit. Er sei kein Gegner von Waffenlieferungen an die Ukraine solange Russland den Konflikt mit Waffenlieferungen an die ostukrainischen Separatisten anheize.

  Erste Priorität habe jedoch eine Waffenstillstandslinie, sagte Pollack. Wenn man allerdings die russischen Forderungen der jetzigen Frontlinie als Waffenstillstandslinie und den Verzicht der Ukraine auf EU- und NATO-Mitgliedschaft akzeptiere, habe Putin, der "nicht besonders worttreu" sei, "sehr viel erreicht", warnte Pollack.