Brüssel. Vergangene Woche wurde die Troika praktisch aus Griechenland hinausgeworfen. Jetzt haben Experten der internationalen Gläubiger wieder Gespräche mit der griechischen Seite aufgenommen. In Brüssel kamen am Freitagvormittag Vertreter von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) mit griechischen Regierungsexperten zusammen, wie ein hochrangiger EU-Vertreter mitteilte.

Ziel der nunmehrigen Expertengespräche sei "eine Bestandsaufnahme" der Finanzlage Griechenlands und Vorschläge, wie das derzeitige Hilfsprogramm für Athen und die griechischen Pläne für eine Lockerung der Spar- und Reformauflagen vereinbart werden könnten. Die Experten müssten vor dem Finanzministertreffen am Montag Zahlen und Fakten zusammentragen. Angeblich wird dabei auch die "Option" diskutiert, dass das laufende Hilfsprogramm nicht verlängert wird. Das wäre klar entgegen der deutschen Position.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hatte am Donnerstag am Rande des EU-Gipfels den Expertengesprächen zugestimmt, nachdem am Mittwoch eine Einigung bei einem Finanzministertreffen der Eurozone in der Frage zunächst gescheitert war.

Troika soll nicht mehr Troika heißen
Tsipras pochte beim EU-Gipfel darauf, dass die Troika "nicht mehr existiert", die bei Griechenlands Bevölkerung zum Symbol für ein jahrelanges Spardiktat geworden ist. "Aus Rücksicht" auf Griechenland wird das Gläubiger-Trio nun offiziell nicht mehr so genannt, wie ein Sprecher des deutschen Finanzministeriums in Berlin bestätigte. Wenn Begriffe als "obsolet" gälten, könnten diese ersetzt werden.

Die linksgeführte griechische Regierung will aus dem laufenden Programm aussteigen, um eine Lockerung der bisherigen Spar- und Reformauflagen zu erreichen. "Der Übergang zu einem neuen Programm ist fortan einziger Gegenstand der Gespräche" und des Treffens der Finanzminister der Eurozone am Montag, sagte Tsipras am Donnerstag beim EU-Gipfel.

Börsenkurse gehen nach oben
Die Einigung auf Expertengespräche im Schuldenstreit mit Griechenland trieben die Kurse an der Athener Börse weiter nach oben. Der Leitindex der griechischen Börse legte am Freitagvormittag in den ersten Handelsminuten um über 7,6 Prozent zu. Überdurchschnittlich stark profitierten Banktitel. Schon am Donnerstag hatten die Kurse der Unternehmen an der Athener Börse 6,7 Prozent an Wert gewonnen

Positiv aufgenommen wurden am Freitag auch die jüngsten Wachstumszahlen. Wie die griechische Statistikbehörde Elstat mitteilte, wuchs die griechische Wirtschaft im vierten Quartal 2014 um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Elstat zufolge hat damit die Konjunktur zum dritten Mal in Folge zugelegt und das Land die sechsjährige Rezessionsphase endgültig hinter sich gelassen.