Donezk/Wien. (vee/apa) "Heute war - wieder einmal - ein erster Tag eines Waffenstillstandes", schreibt die Donezkerin Larissa am Sonntag in ihrem öffentlichen Tagebuch auf Facebook. Und beschreibt, wie sie ihn verbracht hat: damit, so rasch wie möglich einer Reihe von Freunden und Verwandten, die aus gesundheitlichen Gründen ihre Wohnungen nicht verlassen können, Medikamente und Essensvorräte zu bringen. Nachdem sie nicht nur Donezk, sondern auch kleinere Städte in der Nähe wie Makejewka abgefahren hat, konkludiert sie: "In der Tat war der Tag ruhig. Wir erfreuten uns der lang ersehnten Stille."

Dass die Stille lang ersehnt war, daran kann kein Zweifel sein. Langwährend war sie dennoch nicht. Einen Tag nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe in der Ostukraine ist der Friedensprozess ins Stocken geraten. Die ukrainische Regierung und die prorussischen Aufständischen warfen einander am Montag gegenseitig Verstöße gegen die Waffenruhe vor und schlossen den ursprünglich für den selben Tag geplanten Beginn des Abzugs schwerer Waffen vorerst aus.

Stopp wegen Beschusses

Ein Beginn des Waffenabzugs von der Frontlinie stehe momentan nicht zur Debatte, erklärte Armeesprecher Wladislaw Selesniow in Kiew. Er begründete dies mit versuchten Panzerangriffen und anhaltendem Beschuss durch die prorussischen Rebellen.

Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin erklärte, es habe binnen 24 Stunden 112 Angriffe seitens der Separatisten gegeben. Die ukrainischen Streitkräfte hielten die Vereinbarung zum Waffenstillstand komplett ein, betonte Klimkin. Laut Regierungsangaben wurden mindestens fünf ukrainische Soldaten getötet. Vor allem um den Verkehrsknotenpunkt Debalzewo wird weiter heftig gekämpft. Das Angebot der Separatisten, einen Korridor für den Rückzug der Truppen zu öffnen, würde abgelehnt, sagte ein Militärsprecher am Montag.

Ein Militärführer der Rebellen schloss einen Abzug schwerer Waffen ebenfalls aus. Dieser könne erst nach einem "vollständigen Ende der Schüsse" erfolgen, sagte Rebellenführer Eduard Bassurin laut DAN, der offiziellen Nachrichtenagentur der Rebellen. Er warf der ukrainischen Armee vor, bei Debalzewo "auf alles zu schießen, was lebt" - seien es Rebellen, Journalisten oder Mitarbeiter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).