Brüssel. Kaum ein Ort hat die Träume und Sorgen der Kosovaren in den vergangenen Monaten stärker widergespiegelt als der Busbahnhof von Pristina. Zwischen November und Februar bestiegen hier jeden Abend Hunderte die Fernbusse in Richtung Norden, begleitet von der Hoffnung die prekären wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in der Heimat hinter sich zu lassen und in Deutschland oder Österreich ein neues Leben anfangen zu können.

Insgesamt dürften mehr als 60.000 Menschen den Kosovo verlassen haben. Die gewaltige Flüchtlingswelle veranlasste die österreichische Regierung sogar dazu, in lokalen Medien ganzseitige Inserate zu schalten, in denen vor überzogenen Erwartungen bei der Genehmigung von Asylanträgen gewarnt wurde.

Geht es nach den Europaabgeordneten, sollen die Kosvaren aber schon bald die selbe Reisefreiheit genießen wie die Bürger der anderen Westbalkan-Länder. Ein entsprechender Bericht der grünen Delegationsleiterin und Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Ulrike Lunacek, wurde am Dienstag vom Auswärtigen Ausschuss angenommen. "Das Gefühl des Eingesperrtseins ist ein Grund für die Ausreise von tausenden Kosovaren in den letzten Wochen", erklärte Lunacek. Der von ihr entworfene Bericht fordere sowohl die Regierung in Pristina wie auch die EU-Kommission auf, stärker an der Umsetzung der Visa-Liberalisierung für Kosovaren zu arbeiten. Gleichzeitig appellierten die EU-Abgeordneten an die verbleibenden fünf EU-Mitgliedsstaaten (Griechenland, Zypern, Slowakei, Spanien und Rumänien), den Kosovo anzuerkennen. "Der positive Einfluss der EU im Kosovo wird durch diese Uneinigkeit in der Anerkennungspolitik dauernd geschwächt", beklagte Lunacek.

Über den Bericht, der im Auswärtigen Ausschuss mit 45 zu sieben Stimmen angenommen wurde, soll Mitte März das Plenum des Europaparlaments abstimmen. Schon jetzt ist aber klar, dass die Einreise-Erlaubnis für drei Monate in einigen Ländern auf massive Gegenwehr stoßen dürfte. So hat etwa das deutsche Bundesland Bayern am Dienstag beschlossen, angesichts der hohen Asylbewerberzahlen aus dem Kosovo eine Wiedereinführung von Kontrollen an den deutschen Außengrenzen prüfen lassen.

Ziel sei es beispielsweise, Busse mit Asylbewerbern spätestens an der Grenze stoppen zu können, hieß es. Sollte dies rechtlich nicht möglich sein, müsse Innenminister Thomas de Maiziere auf eine Anpassung des Schengen-Abkommens drängen, erklärte Innenminister Joachim Herrmann. Allerdings sollen die Grenzkontrollen nur als letzte Möglichkeit und in bestimmten Sondersituationen wieder eingeführt werden. Zudem will Bayern erreichen, dass für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsstaaten ein Beschäftigungsverbot gilt.