Berlin. (leg/reuters) Sie gelten als Symbole des Kalten Krieges: Panzer. "Panzer gehörten zu meiner Jugend wie die Beatles, der amerikanische Soldatensender AFN und Kaugummi-Automaten", sagte Frank Haun, der Chef der Rüstungsfirma Kraus Maffei Wegmann (KMW) bei der Übergabe des neuesten "Leopard"-Panzers an die deutsche Bundeswehr letzten September. Während der Zeit des Eisernen Vorhangs setzten die Armeen des westlichen Militärbündnisses Nato vor allem auf schweres Gerät: Panzer und Haubitzen sollten im Falle eines Krieges mit dem kommunistischen Ostblock die konventionell überlegenen östlichen Panzerarmeen aufhalten. Man bereitete sich auf das Szenario einer Panzerschlacht in der Lüneburger Heide vor.

Nach 1989 und 1991, nach dem Zerfall des Eisernen Vorhangs und dem Zerbrechen der Sowjetunion, wirkte dieses Szenario von vorgestern. Innerhalb der neuen, asymmetrischen Bedrohungen erschienen Panzer plötzlich wie Relikte einer längst vergangenen Zeit. Deutschland, lautete das bekannte Diktum von Ex-Verteidigungsminister Peter Struck, werde nunmehr am Hindukusch verteidigt. Man konzentrierte sich auf Dingos und leichtes Gerät und speckte die Panzerwaffe ab: Die deutsche Bundeswehr reduzierte die Zahl ihrer Kampfpanzer von mehr als 3500 in den 1980er Jahren auf heute nur noch 225. Manche Nato-Staaten wie die Niederlande besitzen heute gar keine Kettenfahrzeuge mehr. Lediglich die neuen "Nato-Frontstaaten" wie Russlands alter Rivale Polen haben aufgerüstet.

Deutsche Haubitzen für Litauen

Die Ukraine-Krise hat im Westen allerdings zu einem radikalen Umdenken geführt. Schwere Waffen wie der deutsche Leopard-Panzer sind im neuen Kalten Krieg wieder gefragt. In Deutschland kündigte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Freitag einen Kurswechsel an: Die geschwächte deutsche Panzertruppe soll gestärkt werden. Ein bisher weitgehend nur auf dem Papier bestehendes Bataillon im niedersächsischen Bergen soll aktiviert und mit Panzern und Personal aufgefüllt werden. Zudem sollten die bestehenden Einheiten der Bundeswehr, die sich nach der jüngsten Reform einen Teil ihres Großgeräts teilen müssen, wieder mit mehr Material ausgestattet werden. Auch auf die ohnehin schon enge Zusammenarbeit mit den Armeen Frankreichs, Polens und der Niederlande würde mehr Wert gelegt.

Deutschlands Bundeswehr wurde bei der letzten Reform beschnitten. In einem System, das sich "dynamisches Verfügungsmanagement" nennt, wurde jedem Verband nur mehr 75 Prozent an schwerem Gerät zugestanden. Für Übungen sind seither nicht mehr genug Panzer, Hubschrauber und anderes Großgerät vorhanden. Will ein Verband also beispielsweise mit Panzern üben, muss er sich das Gerät erst von anderswo beschaffen. Oft kommt das Material defekt oder unvollständig bei der Truppe an.

Eine andere Maßnahme Berlins könnte den Konflikt mit Moskau verschärfen: Der "Spiegel" berichtete am Freitag, dass Deutschland bereit sei, Panzerhaubitzen nach Litauen zu liefern. Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder betonte, dass man eine mögliche Anfrage aus dem baltischen Land, das an Russland grenzt, "wohlwollend prüfen" werde. Vilnius hat Interesse an der Haubitze, stellte bisher aber keinen Antrag.

Rüstungsfirmen profitieren

Der wieder aufgeflammte Kalte Krieg - so hat etwa das lettische Militär am Freitag nahe den eigenen Hoheitsgewässern zwei Schiffe und ein U-Boot der russische Marine gesichtet - fördert das Geschäft der Rüstungsfirmen. So erzielte die Sparte "Defence" (Verteidigung) der deutschen Firma Rheinmetall im Jahr 2014 vier Prozent mehr Umsatz als im Jahr davor. Die Russlandkrise förderte die Geschäfte aber nicht nur, sondern hemmte auch den Umsatz: So wurde etwa die Exportgenehmigung für ein Trainingszentrum in Russland widerrufen.