London. Hartnäckig haftet den britischen Konservativen der Ruf an, die Partei der Reichen - und für die Reichen - zu sein. Davon ist, wie immer neue Umfragen zeigen, mehr als die Hälfte aller Briten überzeugt. Selbst unter den Wählern David Camerons gibt es viele, die diese Ansicht teilen. Ist der Ruf verdient?

Zweifellos war Camerons "Kabinett der Millionäre" von Anfang an gerade Britanniens Superreichen gewogen. Tory-Schatzkanzler George Osborne suchte Spitzensteuersätze abzubauen, Großkapital ins Land zu locken und für die Hochfinanz goldgesäumte Teppiche auszurollen. Im Haushalt von 2013 bescherte er in London operierenden Hedge Funds Steuererleichterungen im Wert von 145 Millionen Pfund (199 Millionen Euro).

Das große Geld hat sich dankbar gezeigt für diese Sympathien. Seit Cameron 2010 Premier wurde, sind seiner Partei, wie die Tory-freundliche "Sunday Times" meldet, 28 Millionen Pfund (38,5 Millionen Euro) aus den Konten der Reichen und Superreichen an Spenden zugeflossen. Mittlerweile entrichtet willig jeder zweite Hedge-Fund-Eigner in London seinen Obulus an Cameron.

Labour hat nur Gewerkschaften

Und die Summen werden immer größer. Allein der Hedge Fund RK Capital Management, der Freigebigste von allen, hat den Tories 6,5 Millionen Pfund überwiesen. Das ist natürlich hilfreich beim Aufbau eines Wahlkampffonds für die Unterhauswahlen am 7. Mai. Denn auf der Insel erhalten politische Parteien für Wahlkampfzwecke vom Staat im Wesentlichen nur "administrative Kosten" ersetzt. Den Löwenanteil ihrer Auslagen müssen die Parteien auf andere Weise, über Beiträge und Spenden, decken. Und da zeigt sich ein deutlicher Unterschied.

Die Labour Party, die Oppositionspartei unter Ed Miliband, erhält nur sporadisch Unterstützung von Großunternehmen oder von Geldinstituten. Sie stützt sich in der Hauptsache immer noch auf viele kleine Einzelspenden - vor allem aber auf die ihr verbundenen Gewerkschaften, wie schon in den alten Zeiten.

Dagegen halten moderne Firmen mit Namen und Kürzeln, die der britischen Öffentlichkeit weithin unbekannt sind, Camerons Partei am Laufen. CQS, Isam, Brevan Howard, Caxton Associates, Lansdowne Partners oder Winton Capital sind einige der schwerreichen Funds, die auf ihre Weise für die Konservativen stimmen.

Gleichzeitig ist ein Drittel aller Unterhaus-Kandidaten und -Kandidatinnen der Tories in den wahlentscheidenden Kreisen der Finanzindustrie im Lande "persönlich eng verbunden". Diese Kandidaten kommen in der Regel direkt aus dem Finanzbereich. Für beide Seiten sind sie ideale Kontaktpersonen.