"Wiener Zeitung": In der EU gibt es einen neuen Anlauf für eine Finanztransaktionssteuer. Es ist aber umstritten, welche Finanzprodukte betroffen sein sollen und wie hoch die Steuersätze sein sollen. Wie sehen Sie die Position Österreichs?

Pascal Teixeira da Silva: Es gibt elf EU-Länder, die die Finanztransaktionssteuer einführen wollen. Jedes Land hat freilich seine eigenen Interessen und will seine Banken und seinen Finanzmarkt schützen. Daher gibt es auch keine einheitliche Vision. Die Finanzminister Österreichs und Frankreichs haben im Jänner in einem gemeinsamen Brief an die anderen EU-Minister die Initiative ergriffen, um diesem Prozess neuen Schwung zu verleihen. Ich glaube, dass alle elf Länder fest entschlossen sind, eine Lösung zu finden, die für alle akzeptabel ist.

Es ist ein Treffen zwischen dem französischen Innenminister und seiner österreichischen Amtskollegin geplant. Welche gemeinsamen Projekte gibt es auf dem Gebiet der Sicherheitskooperation?

Wir müssen auf europäischer Ebene bei der Bekämpfung des Dschihadismus und des Terrorismus besser zusammenarbeiten. Österreich war im eigenen Land glücklicherweise noch nie direkt betroffen, wie Frankreich oder Dänemark. Aber Österreich hat mit dem Phänomen der "foreign fighters" zu kämpfen, den Dschihadisten, die aus Österreich und anderen europäischen Ländern nach Syrien und in den Irak gefahren sind, um sich IS anzuschließen. Es gibt mehr als 100 Dschihadisten, die aus Österreich nach Syrien und den Irak gegangen sind. In Frankreich gibt es 1300. Die stellen eine potenzielle Bedrohung für die Sicherheit unserer Länder dar. Der Kampf gegen die Radikalisierung ist problematisch. Damit zusammen hängt auch die Integrationspolitik. Wir haben einen Ausländeranteil an der Bevölkerung um die zehn Prozent und wir erleben in Europa eine Zunahme an illegaler Einwanderung. Die Integration dieser Ausländer erfolgt nicht immer sehr gut und das kann ein Nährboden für die Radikalisierung sein.

Was kann man auf dem Gebiet von Frankreich lernen, immerhin hat das Land hier ja schon länger Erfahrung?

Frankreich ist im Gegensatz zu den anderen europäischen Ländern seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ein Immigrationsland. Die Immigration ist nicht immer glücklich verlaufen und es hat immer Probleme gegeben. Verschiedene Faktoren machen die Situation aber jetzt schwieriger. Da wäre einmal die wirtschaftliche Situation. Wenn es Arbeitslosigkeit gibt, ist es schwieriger, Ausländer schnell und gut zu integrieren. Dann: Je fremder die Kultur der Immigranten, desto schwieriger ist es, sie zu integrieren. Solange die Migranten aus katholischen südeuropäischen Ländern stammten, war es einfacher, als bei Leuten mit einem anderen kulturellen und religiösen Hintergrund. Auch die Politisierung des Themas macht die Integration schwerer. Es gibt ja politische Parteien, für die das das wichtigste Thema ist und die davon profitieren.