Wien. (wak) Von der früheren Goldgräberstimmung ist nichts mehr zu spüren. Das Wachstum in den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropa bleibt auch in den kommenden Jahren verhalten, und das wird sich laut dem Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) wohl nicht so rasch ändern. Während die Region um die neuen EU-Mitgliedsländer noch vor der Finanzkrise immer mindestens um drei Prozentpunkte stärker gewachsen ist als der Eurozone - nach dem Motto, wo in der EU ein Einser oder Zweier war, war dort ein Vierer oder Fünfer - , hat sich dieser Abstand auf 1,5 Prozentpunkte halbiert.

Der Grund für das verhaltene Wachstum liegt in dem kaum vorhandenen Binnenkonsum und der zurückgegangenen Investitionstätigkeit. Dass die Unternehmen nicht einmal jetzt, bei den extrem günstigen Leitzinsen - auch außerhalb der Eurozone - investieren, lässt nur den Rückschluss zu, dass die Geldpolitik momentan keine Effekte hat. Die Unternehmen horten lieber ihr Geld beziehungsweise veranlagen es.

Keine Investitionen


"Normalerweise nehmen die Unternehmen Kredite auf, die ihnen von den privaten Haushalten zur Verfügung gestellt werden", erklärt WIIW-Ökonom Mario Holzner. Heute steht dieses wirtschaftliche Paradigma in der Region auf dem Kopf: "Überraschenderweise sind die Unternehmen zu Netto-Kreditgebern geworden, während die Privathaushalte Kredit nehmen." Auch das zeigt, dass die Unternehmen nicht investieren. Dass hingegen die Haushalte wieder Kredite aufnehmen, lässt Holzner auf eine Ankurbelung der Wirtschaftslage hoffen.

Für Österreich ist die Region wirtschaftlich deshalb so bedeutend, weil Österreichs Banken in der Region mit umgerechnet der Hälfte des österreichischen Bruttoinlandsprodukts investiert sind - davon großer Brocken, 25 Prozent, in Tschechien. In Ukraine und Russland sind "nur" zehn Prozent des österreichischen Engagements.

Für den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland hofft das WIIW auf eine halbwegs friedliche, baldige Lösung. Vielleicht, so das WIIW, können sich die Länder 2016 wieder erholen. Für 2015 ist jedenfalls schon davon auszugehen, dass der Output der ukrainischen Volkswirtschaft um neuerliche fünf Prozent schrumpfen wird und die russische um mindestens 3,9 Prozent. "Der Krieg in der Westukraine hat zu einem Investitionsstopp geführt", erklärt Holzner. Schon 2014 hat die Wirtschaftsleistung der Ukraine ein Minus von sieben Prozent hinnehmen müssen. "Die Produktion in der Ukraine wird ihren freien Fall fortsetzen", so die Einschätzung des WIIW.

Der Anstieg der öffentlichen Investitionen könnte sich als Stütze des Wachstums erweisen, vor allem in jenen neuen EU-Mitgliedstaaten, die Zugang zu EU-Geldern haben.

Ob der "Juncker-Plan" die notwendige Erleichterung bringt, wird am WIIW "ziemlich skeptisch" gesehen. Nach dem Plan des EU-Kommissionspräsidenten sollen etwa Infrastrukturprojekte teils durch EU-Gelder, teils mit privaten Investitionen finanziert werden. "Die Frage ist, was das für Projekte sein werden. Alle Projekte, die jetzt diskutiert werden, sind ja nicht neu", meint Holzner. Und diese sind ja bis jetzt auch nicht finanziert worden, aus welchem Grund auch immer. Ob das neue Vehikel mit privaten Investoren einen Unterschied macht, wird man sehen.