Gabriel:"Ehrlich gesagt dumm". - © reu/Hanschke
Gabriel:"Ehrlich gesagt dumm". - © reu/Hanschke

Athen/Berlin. Der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat die Forderung Griechenlands nach deutschen Reparationszahlungen in Höhe von 278,7 Milliarden Euro zurückgewiesen. "Ich finde es ehrlich gesagt dumm", sagte Gabriel am Dienstag mit Blick auf eine Vermengung der Wiedergutmachungsforderungen mit den Verhandlungen über weitere Finanzhilfen.

Beide Dinge hätten nichts miteinander zu tun, seien aber sehr aufgeladen, sagte der deutsche Vizekanzler bei einer Diskussionsveranstaltung in seinem Ministerium. Das bringe die Stabilisierung Griechenlands "keinen Millimeter voran."

Die deutsche Regierung sieht Reparationsfragen durch den 2+4-Vertrag zur deutschen Einheit juristisch als erledigt an - Griechenland pocht hingegen seit langem auf Entschädigungen für die Besatzungszeit und NS-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg.

Zugleich gebe es natürlich die moralische Verantwortung, sagte Gabriel. Es dürfe keinen Schlussstrich geben.

Es gebe heute auch ein Stück weit eine ökonomische Verantwortung. "Das hat auch etwas mit Fairness zu tun", betonte Gabriel. "Wir müssen verdammt viel Respekt davor haben, was die Menschen in Griechenland schultern." Sie müssten die Opfer bringen für das Versagen der Eliten: "Sie haben das Land ausgeplündert." Das Land müsse im Euro wieder auf die Beine kommen - "und nicht außerhalb".

Einer Umfrage zufolge befürwortet eine Mehrheit der Griechen die Initiative ihrer neuen Regierung, von Berlin Reparationszahlungen für den Zweiten Weltkrieg zu verlangen. Es wird als eine von wenigen Möglichkeiten gesehen, den Deutschen Paroli zu bieten. Vor allem Kommentatoren von linksliberalen Medien zeigen sich darüber erfreut, dass Tsipras Merkel auf einer gleichen Ebene begegne. Griechenland trete nicht mehr als der "arme Verwandte in Europa" auf, sondern verfüge sogar über mehr "Verhandlungswaffen", als viele geglaubt hätten, hieß es unter anderem.