Rom. Tausende Flüchtlinge bezahlten den Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, bereits mit dem Leben. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen sind seit Anfang dieses Jahres bereits 21.000 Flüchtlinge in Italien eingetroffen. 2014 kamen rund 170.000 Menschen über Italien in die Europäische Union. Mehr als 3.000 verloren bei der Reise über das Mittelmeer ihr Leben.

Den Glücklichen, die die gefährliche Reise schaffen und illegal nach Italien einreisen, steht aber noch ein hürdenreicher Weg bei der Legalisierung ihres Status bevor.

Anerkennung langwierig und bürokratisch

Auch wenn sie Recht auf politisches Asyl haben, ist die Prozedur zur Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus meistens langwierig und voller bürokratischer Komplikationen. Allein in der letzten Wochen sind 11.000 Flüchtlinge in Italien gelandet.

Das italienische Gesetz sieht die Ausweisung von nach Italien gekommenen Flüchtlingen vor, es sei denn sie stellen einen Asylantrag. Während der Zeit, in der dieser überprüft wird, müssen sie in Sonderaufnahmezentren bleiben. Das gilt nicht für Minderjährige, die automatisch vom Schutz profitieren, den die 1989 verabschiedete UNO-Konvention für Kinderrechte vorsieht.

Aufnahmezentren und Schubhaft

Im Mittelmeer Gerettete werden sofort nach ihrer Ankunft in Italien von Vertretern humanitärer Organisationen über ihre Rechte informiert. Besonderen Schutz erhalten ältere Menschen und Schwangere. Die Flüchtlinge werden in Einrichtungen für Ersthilfe und Erstaufnahme (CPSA) untergebracht. Hier werden sie bei Bedarf ärztlich behandelt und fotografiert.

Danach werden die Migranten in Aufnahmezentren für Asylanträger (CARA) gebracht, wo eine offizielle Identifizierung stattfindet und sie einen Asylantrag einreichen können. Im vergangenen Jahr trafen 170.000 Flüchtlinge in Süditalien ein. Die Regierung musste 1.600 CAS-Zentren einrichten. Dabei handelt es sich meist um Kasernen, Schulen, oder Hotels, in denen kleinere Gruppen untergebracht werden, aber auch manchmal bis zu hundert Minderjährige in einem Gebäude eingepfercht werden. Bei größeren Einrichtungen werden bis zu 200 Migranten unter mehr schlechten als rechten Bedingungen versorgt.

Ohne Dokumente eingesperrt

Ausländer, die die Bedingungen für den Erhalt des Flüchtlingsstatus nicht erfüllen, landen in sogenannten "Zentren für Identifikation und Ausweisung", abgekürzt CIE. Sie sind gezwungen, dortzubleiben, bis die Prozeduren für ihre Abschiebung in die Heimat abgeschlossen sind.

Die Schubhaft-Anstalten, in denen Ausländer ohne Dokumente bis zu 18 Monaten eingesperrt und dann abgeschoben werden, seien Käfige, in denen für viele Flüchtlinge der Traum eines neuen Lebens im wohlhabenden Europa zerschellt, klagen Menschenrechtsorganisationen. Die CIE-Insassen seien gezwungen, monatelang in einem Gefängnis auszuharren, obwohl sie sich außer der illegalen Einreise oder der abgelaufenen Aufenthaltsgenehmigung nichts haben zuschulden kommen lassen. Dort schlafen sie in fensterlosen Containern.

Zwei Drittel ziehen in EU-Länder weiter

Im vergangenen Jahr haben circa 60 Prozent aller Flüchtlinge einen gewissen Schutz erhalten. Das reicht vom Flüchtlingsstatus bis zum humanitären Schutz. Da alle Flüchtlingseinrichtungen mit Ausnahme der Ausweisungszentren offen sind, reisen Migranten oft nach wenigen Tagen ab.

Meistens wollen sie Angehörige in anderen europäischen Ländern erreichen. Das ist vor allem bei Flüchtlingen aus Syrien und Eritrea der Fall, die nach Deutschland, Frankreich, oder in die skandinavischen Länder weiterreisen. "Zwei Drittel der Migranten, die in Italien landen, setzen ihren Weg in Richtung anderer EU-Länder fort", bestätigte Bischof Giancarlo Perego, Leiter der katholischen Organisation für Migrantenschutz "Migrantes".