Istanbul. Während in Armenien der Massaker während des Ersten Weltkrieges gedacht wurde, erinnerte die türkische Regierung an die legendäre Schlacht um Gallipoli vor hundert Jahren. "Alle an dieser Schlacht beteiligten Soldaten verdienen es, wegen ihres Muts mit Respekt behandelt zu werden", so der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. "Die Soldaten kämpften an den Dardanellen mit Heldenmut, und sie fielen mit dem gleichen Heldenmut", erklärte Regierungschef Ahmet Davutoglu.

Am 25. April 1915 hatten die alliierten Truppen versucht, auf der Halbinsel Gallipoli zu landen. Die Soldaten des Osmanischen Reichs wehrten den Angriff ab. Mehr als 11.000 Australier und Neuseeländer wurden an diesem Tag getötet. Insgesamt starben in der Schlacht mehr als hunderttausend Menschen. "Wir haben vor hundert Jahren Krieg geführt, aber jetzt sind wir hier versammelt, um gemeinsam den Frieden aufzubauen", sagte Davutoglu.

Für Freitag werden etwa 20 Staatsgäste in der Türkei erwartet, um an die gefallenen Soldaten zu erinnern. Zu der Gedenkfeier werden unter anderem der britische Thronfolger Prinz Charles sowie die Regierungschefs Australiens und Neuseelands erwartet.

Putin, Hollande in Armenien


Ebenfalls am Freitag gedachte Armenien der Massaker an bis zu 1,5 Millionen Landsleuten durch osmanische Truppen. Dort wird es als Affront gewertet, dass die Türkei die Zeremonie anlässlich der Schlacht um Gallipoli um einen Tag auf den Donnerstag vorverlegte. Eriwan wirft Ankara vor, dadurch die Aufmerksamkeit von den Gedenkfeiern in Armenien ablenken zu wollen. An der offiziellen Zeremonie nahmen auch der französische Präsident François Hollande und der russische Staatschef Wladimir Putin teil. Einzeln gingen sie durch das Spalier einer Ehrenwache zu einer ewigen Flamme und legten Blumen nieder. Im Laufe des Tages wurden an der Gedenkstätte hunderttausende Armenier erwartet.

Nach armenischer Darstellung starben ab dem 24. April 1915 auf dem Gebiet der heutigen Türkei bis zu 1,5 Millionen Armenier.