Berlin/Ankara (fn/apa) Alle Parteien im Deutschen Bundestag haben den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 100 Jahren als solchen verurteilt und riskieren damit die Eintrübung der Beziehungen Deutschlands zur Türkei, wie das auch im Fall von Österreich geschehen ist.

"Das, was mitten im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat unter den Augen der Weltöffentlichkeit, war ein Völkermord", sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert am Freitag im Bundestag in Berlin und traf damit den Tenor der Sprecher aller Fraktionen. Bisher hat die Regierung in Ankara mit scharfen Reaktionen auf die Wertung der Massaker als Völkermord reagiert, die sie als Verunglimpfung der Türkei zurückweist.

Die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD haben einen Antrag eingebracht, mit dem das deutsche Parlament erstmals die Massaker an Armeniern förmlich als Genozid qualifizieren soll. Im April 1915 habe die planmäßige Vertreibung und Vernichtung von über einer Million ethnischer Armenier begonnen, heißt es dort. Auch Bundespräsident Joachim Gauck hatte am Donnerstag bei einem ökumenischen Gedenk-Gottesdienst in Berlin von Völkermord gesprochen. Türkische Medien haben auf seine Rede teilweise mit scharfen Worten reagiert. Gaucks Äußerungen seien "schockierend" gewesen, schrieb die Onlineausgabe der Zeitung "Hürriyet" am Freitag. Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" warf Gauck vor, das Osmanische Reich mit "hässlichen Worten" beschrieben zu haben. Beim ebenfalls regierungsnahen Blatt "Takvim" hieß es verklausuliert, "politische Führer von Ländern, die des Genozids schuldig seien", hätten Armenien im Streit mit der Türkei "schamlos unterstützt" - ein deutlicher Bezug auf Deutschland und Österreich, dessen Parlament kürzlich eine Völkermord-Erklärung verabschiedet hatte.