Berlin/Wien. (da) MAD, also verrückt, erhält derzeit im deutschen Verteidigungsministerium eine ganz neue Bedeutung. Eigentlich steht das Kürzel für "Militärischer Abwehrdienst". Doch der hauseigene Geheimdienst sollte sich noch um ganz andere Belange kümmern, nämlich Quellen für Journalisten im Ressort ausspähen. Das schwebte dem Waffenproduzenten Heckler&Koch vor - im Zusammenspiel mit dem früheren Abteilungsleiter Rüstung im Verteidigungsministerium und dessen Stellvertreter 2013. So sollte der MAD gegen kritische Journalisten und deren "gesteuerte Kampagne" tätig werden. Denn das Sturmgewehr G36, von dem die Bundeswehr in den vergangenen 20 Jahren 176.000 Stück angeschafft hatte, stand schon damals wegen Treffunsicherheit bei hohen Temperaturen und in heißem Zustand in der Dauerkritik.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen räumte am Donnerstag das Zusammenspiel zwischen dem Waffenproduzenten und den hochrangigen Beamten ein. Sie verwies auf den damaligen MAD-Präsidenten Ulrich Birkenheier, der den Ausspähversuch umgehend zurückwies. Für die Ministerin ist der Fall mit Worten des Bedauerns jedoch nicht abgeschlossen: Schließlich erfuhr von der Leyens Büro bereits im März 2014 von der Causa. Der Abteilungsleiter wurde aber nicht in Unehren entlassen, sondern lediglich in das Fuhrparkmanagement der Bundeswehr versetzt.

Kratzer für Kanzleramtskandidatin

Diese halbherzige Lösung passt nicht zur Selbstinszenierung von der Leyens als entschlossene Macherin, welche mit McKinsey-Beratern die Bundeswehrstruktur umkrempelt und die Probleme mit dem G36 anpackt - im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Thomas de Maizière, unter dessen Ägide das Thema verschleppt wurde. Im Herbst entscheidet von der Leyen, ob eine verbesserte Version des G36 oder ein anderer Gewehrtyp künftig eingesetzt wird. Möglicherweise muss sie zu dieser Zeit bereits in einem Untersuchungsausschuss zu den gesamten Kalamitäten um das Sturmgewehr aussagen: Grüne und Linkspartei kündigten diesen nach Bekanntwerden der Ausspähpläne an.

Es wäre neben dem bereits laufenden NSA-Untersuchungsausschuss zur Ausspähung durch ausländische Geheimdienste bereits das zweite Gremium, das die CDU von Angela Merkel und von der Leyen potenziell schlecht aussehen lässt. Noch dazu werden der Verteidigungsministerin seit langem Ambitionen auf die Nachfolge Merkels im Berliner Kanzleramt nachgesagt.