Der Präsident zeigte sich eher versöhnlich in seiner Ansprache und verzichtete auf eine Warnung vor der Gefahr des neuen "Faschismus" in der Ukraine. Auf die schwerste Krise zwischen Ost und West seit Ende des Kalten Krieges nahm der Kremlchef aber indirekt Bezug. Die Prinzipien der Nachkriegsordnung würden immer häufiger verletzt, kritisierte Putin. Versuche, eine "monopolare" Welt zu schaffen, nähmen zu. Nötig sei aber ein System, das gleiche Sicherheit für alle Staaten garantiere. "Nur dann werden wir Frieden und Ruhe auf dem Planeten gewährleisten."

Neue Waffensysteme präsentiert

Russland nutzte die 90-minütige Militärparade am Samstag auch dazu, mehrere neue Waffensysteme vorzuführen. Neben gepanzerten Truppentransportern, Artilleriesystemen und einem Panzerabwehrsystem war darunter auch der Kampfpanzer T-14, der als Flaggschiff einer neuen Generation von Panzern gilt. Berichten zufolge soll die Armee langfristig 2.300 Panzer dieses Typs erhalten, doch gibt es Zweifel, dass das Geld dafür reicht.

Das Staatsfernsehen übertrug die Gedenkfeier live. Am Ende erklang zu Salutschüssen die Nationalhymne.

Nach der Parade wurden mehr als 160.000 Menschen zu einem riesigen Umzug im Zentrum von Moskau erwartet, bei denen sie Bilder ihrer Väter oder Großväter tragen, die an dem "großen Vaterländischen Krieg" teilnahmen. Seit Tagen bereits tragen die Russen als Ausdruck des neuen Patriotismus in Erinnerung an den Sieg das russische Sankt-Georgs-Band. Auch Behörden und U-Bahnschalter sind mit dem orange-schwarzen Band geschmückt.

Militärparade auch im ostukrainischen Donezk

Außer in Moskau fand auch im ostukrainischen Donezk eine Militärparade der prorussischen Separatisten statt. Knapp 1.500 Rebellenkämpfer marschierten begleitet von sechs Panzern sowie Raketenwerfern und Luftabwehrgeschützen die Hauptstraße der Großstadt hinunter. Viele trugen die rote sowjetische Fahne oder Bilder des Diktators Josef Stalin.

In Berlin gedachten tausende Menschen der Opfer des Zweiten Weltkriegs. Vor den Sowjetischen Ehrenmalen in Treptow und in der Nähe des Brandenburger Tors legten sie am Samstag Blumen und Kränze nieder. Darunter waren Botschafter verschiedener Länder, unter ihnen der russische Botschafter in Deutschland, Wladimir Grinin. Er sagte, es sei wichtig an das Kriegsende zu erinnern - "für uns und für alle". Zum größten Ehrenmal in der deutschen Hauptstadt, wo tausende sowjetische Soldaten begraben sind, kamen nach Schätzungen der Polizei fast 10.000 Menschen.

In Russland und den meisten Nachfolgestaaten der Sowjetunion wird am 9. Mai an die Kapitulation Hitler-Deutschlands erinnert. Der Beginn des Waffenstillstands am Ende des Zweiten Weltkriegs war nach der Unterzeichnung der Kapitulation vor den Westalliierten auf den 8. Mai 1945 um 23.00 Uhr MEZ festgelegt worden. Der deutsche Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel als Befehlshaber der Wehrmacht unterzeichnete die Kapitulation vor den Sowjets erst am 9. Mai - kurz nach Mitternacht.