Dublin/London. Stanilaus Kennedy hat sich "die Sache gründlich überlegt". Die 75-Jährige, aufgrund ihrer karitativen Arbeit bekannteste Nonne auf der "Grünen Insel", will am Freitag "Ja" sagen, "um für Gleichberechtigung zu sorgen". Die Homosexuellen im Lande, findet Kennedy, die auch "Schwester Stan" genannt wird, müssten endlich "vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft" werden. Das Recht zur Ehe sei schließlich niemandem abzusprechen. Es sei "ein Bürgerrecht - und ein Menschenrecht zugleich".

"Schwester Stan" ist nicht die Einzige, die fürs Referendum Ende dieser Woche zur großen Reform aufruft, in der noch immer überwiegend römisch-katholischen Republik Irland. Auch der in ländlichen Gebieten weithin populäre Country-Sänger Daniel O’Donnell tritt für die Homo-Ehe ein. Schauspieler wie Colin Farrell, Sportler, Rundfunkleute und Politiker aller Parteien wollen ein "Ja" sehen, wenn ihre Landsleute am Freitag zu den Urnen gehen.

Behielten sie recht, könnten die Iren sich eigenhändig ins "Guinness Buch der Rekorde" eintragen: Irland wäre die erste Nation der Welt, in der das Recht gleichgeschlechtlicher Paare auf Heirat per Volksabstimmung sanktioniert worden wäre. Und das wäre schon etwas. Denn bis 1993 war Homosexualität noch ein krimineller Tatbestand in Irland. Zivile Partnerschaften wurden 2011 eingeführt auf der Insel. Nun, vier Jahre später, setzen die Iren zum "großen Sprung" mit ihrer geplanten Verfassungsänderung an.

Die Aussichten für ein "Ja" sind nicht schlecht. Letzte Umfragen der Dubliner "Irish Times" kommen auf 58 Prozent für die Reform, 25 Prozent dagegen und 17 Prozent bislang Unentschiedene. Die politische Front ist dabei ziemlich lückenlos. Nur ein einziger der 166 Abgeordneten des irischen Parlaments, des Dáil, hat sich auf ein "Nein" festgelegt. Selbst sonst eher vorsichtige Volksvertreter, wie Regierungschef Enda Kenny, haben klar Partei bezogen und aus ihrer Präferenz kein Geheimnis gemacht.

Gegen die Reform stemmt sich die Hierarchie der katholischen Kirche. Vier der ranghöchsten Bischöfe haben am vorigen Sonntag in ihren Diözesen Hirtenbriefe verlesen lassen, die die Gläubigen nachdrücklich zur Ablehnung der Verfassungs-Änderung auffordern. Erzbischof Eamon Martin, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in Irland, erklärte mehrfach, eine "same sex union" - also eine Homo-Ehe - entspräche "nicht im Entferntesten Gottes Plan für Ehe und Familie".