Wien. Vor 200 Jahren verhandelten Europas Staatenlenkerauf dem Wiener Kongress eine neue postnapoleonische Weltordnung. Es ging darum, ein "europäisches Konzert" zu schaffen, es ging um eine stabile Machtbalance. Mit dem Deutschen Bund sollte an einem Deutschland geschmiedet werden, das schwach genug ist, um nicht zu einer Gefahr für Europa zu werden, aber stark genug, um zu verhindern, dass bei Russland und Frankreich Appetit auf deutsches Territorium aufkommt. Großbritannien und Österreich setzten wiederum alles daran, Russlands Vormarsch Richtung Mitteleuropa zu stoppen.

Doch welche Lektion lehrt der Kongress für die Gegenwart? Dieser Frage ging ein vom europäischen Forum Alpbach und der "Wiener Zeitung" unterstütztes zweitägiges öffentliches Kolloquium des Liechtenstein Institute on Self Determination der Princeton University nach. Der frühere EU-Kommissionspräsident José Manuel Durão Barroso sieht heute in Russland eine Macht, welche mit der Okkupation der Krim internationale Normen verletzt habe. Bei den Diskutanten, die im Garten des Palais Liechtenstein am Podium saßen, herrschte Einigkeit, dass das Korsett der derzeitigen Weltordnung zu eng geworden ist. "Die UNO ist unreformierbar", meinte etwa Österreichs früherer Spitzendiplomat Albert Rohan und Ex-Vizekanzler Erhard Busek meinte, dass auch die G7 die heutige Welt nicht repräsentierten. Der Direktor des Instituts, Wolfgang Danspeckgruber,hatte unter anderem seinen Princeton-Kollegen, den Historiker Herold James aufs Podium gebeten, der darauf hinwies, dass auch das Bretton-Woods-System aus Währungsfonds und Weltbank nicht mehr zeitgemäß sei. Am ehesten würde die Gemeinschaft der G20-Staaten die moderne Welt abbilden, meinte Barroso. Und was Europa betrifft, so forderte der frühere EU-Kommissar und heutige Präsident des europäischen Forums Alpbach dann am Montag ein "Update" des aufgeklärten politischen Projekts der Europäischen Union.