München. Der Devisenbeschaffer der DDR ist tot: Alexander Schalck-Golodkowski starb nach langer schwerer Krankheit am Sonntagabend in München. Der 82-Jährige war eine der schillerndsten Figuren Ostdeutschlands. Er verscherbelte alles, was harte Währung einbringen konnte, und besorgte alles, was westliche Sanktionen sonst nicht in den Ostblock ließen. Vielen Deutschen ist er als derjenige in Erinnerung, der 1983 einen legendären Milliardenkredit für die DDR aushandelte - in D-Mark. Dieser bewahrte das kommunistische Regime vor dem Bankrott.

Mit der Österreicherin Rudolfine Steindling, der "Roten Fini", soll er gut vernetzt gewesen sein. Die 2012 an ihrem Zweitwohnsitz in Tel Aviv gestorbene österreichische Geschäftsfrau leitete von Wien aus die Geschicke der Ostberliner Firma Novum, über die sämtliche DDR-Geschäfte von Westfirmen liefen.

Der gebürtige Berliner war im Rang eines Staatssekretärs Chef der mächtigen "Kommerziellen Koordinierung" (KoKo) in der DDR. Er beschaffte für das Regime von Staatschef Erich Honecker über Jahrzehnte Milliardensummen an Devisen. Die Bewohner der Prominentensiedlung Wandlitz, wo Honeckers Führungsriege lebte, versorgte er mit Luxusgütern. Zudem war die finanzielle Abwicklung von Häftlings-Freikäufen eine seiner Aufgaben. Dazu unterhielt der gelernte Feinmechaniker und promovierte Diplom-Außenhandelswirtschafter, der zeitweise auch dem Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands angehörte, Kontakte zu den Leitern der Ständigen Vertretung in Ost-Berlin. Sie schilderten ihn als durchsetzungsstarken Unterhändler. Schalck-Golodkowski hatte auch Verbindungen zum Staatssicherheitsdienst (Stasi) der DDR.

Bewährung wegen Waffendeals

In der Nacht zum 3. Dezember 1989 suchte Schalck-Golodkowski in West-Berlin Schutz vor dem zerfallenden System der DDR. Nach der Wende stellte er sich der bundesdeutschen Justiz und kam für einige Wochen in Untersuchungshaft. Dem Bundesnachrichtendienst gab er sein umfangreiches Wissen über das Geschäftsgebaren der KoKo preis.

Mitte der 1990er Jahre erhielt Schalck-Golodkowski wegen illegaler Waffengeschäfte und Embargovergehen Bewährungsstrafen. Doch dank seiner jahrzehntelangen guten deutsch-deutschen Kontakte und mit Hilfe alter Freunde brachte er es auch im vereinigten Deutschland rasch wieder zu einigem Wohlstand.

Die letzte öffentliche Äußerung von Schalck-Golodkowski stammt aus einer Talkshow im Jahr 2000. Damals sagte er über seine Tätigkeit für die DDR: "Ick hab’ nich beschafft, ick hab’ erarbeitet." Und fügte hinzu: "Ick hab’ für die DDR gekämpft, und wir haben am Ende verloren."