Athen/Berlin. (ag/red) Der sich abzeichnende Kompromiss im griechischen Schuldenstreit gerät schon vor seiner Verabschiedung unter Beschuss. Vize-Parlamentspräsident Alexis Mitropoulos sah die Zustimmung der Abgeordneten in Athen am Dienstag nicht gesichert: "Ich glaube, dieses Programm (. . .) wird Schwierigkeiten haben, bei uns durchzukommen." Die von der linksradikalen Syriza-Partei und den rechtspopulistischen "Unabhängigen Griechen" gebildete Koalition stellt 162 der 300 Abgeordneten - mehr als elf Abweichler kann sich Regierungschef Alexis Tsipras also nicht leisten. Es gelten aber bis zu 30 Syriza-Abgeordnete als Wackelkandidaten. Auch der Junior-Koalitionspartner Anel könnte Probleme machen. Würde Tsipras eine Mehrheit nur mit Hilfe der Opposition erreichen, wäre eine Regierungskrise die Folge. Mitropoulos meinte, das Volk werde ein "soziales Blutbad" nicht akzeptieren. Die Maßnahmen stünden nicht im Einklang mit den Prinzipien der Linken. "Wenn die Regierung keine Mehrheit hat, kann sie nicht im Amt bleiben", so Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis.

Für Tsipras und Europa

Zuletzt sind In Athen tausende Menschen für den Verbleib Griechenlands in der Eurozone auf die Straße gegangen, Tausende skandierten lautstark auf dem Syntagma-Platz. Bereits am Sonntag hatten rund 7000 Menschen im Zentrum von Athen demonstrierten, um der linksgeführten Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras ihre Unterstützung auszusprechen und gegen weitere Einsparungen zu protestieren. Wenn es aus griechischer Sicht zu einem "faulen Kompromiss" in Brüssel kommen sollte, sind Ausschreitungen in Athen vorprogrammiert. In der Vergangenheit ist es bei ähnlichen Anlässen immer wieder zu Gewaltakten gekommen, sogar Rohrbomben wurden gezündet. Aber auch die Gewerkschaften könnten ihre Anhänger zusammentrommeln. Die Sicherheitskräfte sind in Alarmbereitschaft.