Athen/Lissabon/Rom. Die Zuspitzung der griechischen Schuldenkrise bedeutet für Portugal nach Einschätzung von Staatschef Anibal Cavaco Silva keine große Gefahr. "Das Wachstum von Portugal wird nicht übermäßig von einem Zwischenfall mit Griechenland betroffen sein", sagte Cavaco Silva am Montag in Lissabon im Hinblick auf eine drohende Pleite Griechenlands.

Die Eurozone habe mittlerweile "so viele Instrumente", um ein Übergreifen der Krise in Griechenland auf die 18 anderen Mitgliedsländer der Währungsunion zu verhindern. Portugals Lage sei vergleichbar mit der von Irland, Spanien und Italien, fügte der portugiesische Präsident hinzu. Zugleich äußerte er die Hoffnung, "dass die Griechen die Eurozone nicht verlassen und endlich an den Verhandlungstisch zurückkehren".

Portugal 2011 drittes Euroland unter Rettungsschirm

Regierungschef Pedro Passos Coelho sagte, wenn auch "niemand immun" gegenüber der Griechenland-Krise sei, treffe diese sein Land nicht unvorbereitet. Dank großer Finanzreserven könne Portugal mit der "Volatilität der Märkte einige Monate lang zurechtkommen". Anders als in den Jahren 2010 und 2011 sei Portugal heute nicht mehr sehr anfällig für Krisen wie in Griechenland.

Portugal war 2011 das dritte Euroland nach Irland und Griechenland, das unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfte. Die Regierung in Lissabon beschloss in der Folge harte Sparmaßnahmen und konnte im Mai vergangenen Jahres den Rettungsschirm verlassen. Für dieses Jahr rechnet die Regierung mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.

Die Turbulenzen im Schuldenstreit mit Griechenland hatten der Börse in Lissabon die größten Verluste in Europa beschert: Sie verbuchte am Montag ein Minus von 5,2 Prozent. Die Athener Börse blieb am Montag geschlossen.

Irisches "Mitgefühl"

Der irische Premierminister Enda Kenny warb unterdessen für weitere Verhandlungen zwischen der Eurozone und Griechenland. Für ihn und sicherlich auch für all seine europäischen Kollegen "bleibt die Tür für einen Dialog im Geiste der Solidarität und des Verantwortungsbewusstseins offen", schrieb Kenny in einem Brief an den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras.

Irland habe selbst "eine sehr schwierige wirtschaftliche Phase erlebt" und habe daher "großes Mitgefühl mit Griechenland und seinem Volk". Zugleich hob Kenny hervor, dass Griechenland und seine internationalen Gläubiger eine für beide Seiten "nutzbringende Vereinbarung" finden müssten.

Renzi: "Italien ist weg von der Schusslinie"

Der italienische Premier Matteo Renzi sieht angesichts der Aussicht eines Griechenland-Bankrotts keine Ansteckungsgefahr für sein Land. "Italien ist weg von der Schusslinie. Wir haben einen mutigen Weg struktureller Reformen unternommen, die Wirtschaft wächst wieder und der EZB-Schirm schützt uns. Die Lage ist anders als vor vier Jahren", so Renzi im Interview mit der Zeitung "Sole 24 Ore".

Die griechische Krise sei besorgniserregend, weil Europa keine langfristige politische Vision habe. "Dass sich Europa ändern muss, das sagen wir seit Monaten und endlich geschieht etwas. Eine derart bürokratische Organisation ändert sich jedoch nur mit kleinen Schritten nicht mit Brüchen", erklärte der italienische Premier.

Die Euro-Partner seien entschlossen, Griechenland zu retten. "Das müssen jedoch auch die Griechen wollen, ansonsten funktioniert die Rettung nicht", kommentierte der italienische Regierungschef. Griechenland müsse die Regeln respektieren. "Ansonsten gibt es keine Gemeinschaft mehr", so Renzi. Italien habe in den letzten Jahren eine Pensions- und eine Arbeitsmarktreform durchgesetzt. Griechenland solle sich ein Beispiel nehmen.