Ankara. (red/afp) Nach dem verheerenden Selbstmordanschlag auf prokurdische Freiwillige im türkischen Grenzort Suruc standen am Dienstag im Hof einer Moschee der nahen Stadt Gaziantep 25 Särge aufgereiht. Die Angehörigen der jungen Opfer schrien vor Schmerz oder legten den Kopf in stiller Trauer auf die in rote Tücher gehüllten Särge. Auf einfachen Papierblättern stehen in schwarzer Schrift die Namen der Toten.

Die Angehörigen äußern ihre Wut auf die mutmaßlichen Täter der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), viele schimpfen aber auch auf die türkische Regierung. Bei dem Selbstmordanschlag auf ein Kulturzentrum in Suruc waren am Montag 32 Menschen getötet und rund hundert weitere verletzt worden. In dem Zentrum waren hunderte Aktivisten der Föderation Sozialistischer Jugendverbände (SGDF) aus der ganzen Türkei versammelt gewesen, die beim Wiederaufbau von Kobane helfen wollten. Die syrische Grenzstadt war bei monatelangen Kämpfen zwischen kurdischen Milizen und den IS-Jihadisten stark zerstört worden.

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu macht am Dienstag die IS-Miliz für den Anschlag verantwortlich und besucht mit seiner Ehefrau Sare einige der Verletzten im Krankenhaus. Doch sowohl in der Nähe des Anschlagsortes, in Gaziantep, als auch am anderen Ende der Türkei, weit weg von der syrischen Grenze, in Istanbul gingen die Menschen auf die Straße, riefen Slogans gegen die Dschihadisten, aber auch gegen die islamisch-konservative Regierung Davutoglus. Kritiker werfen ihr seit langem vor, unter der Hand islamistische Rebellengruppen im Nachbarland zu unterstützen. In Istanbul schwenkten die Demonstranten Flaggen und Bilder von Abdullah Öcalan, den inhaftierten Chef der PKK und skandierten pro-kurdische Parolen. Die Stimmung war aufgeheizt, es kam zu gewalttätigen Ausschreitungen.

Die Kritiker bezichtigen die Regierung, im Kampf gegen den syrischen Staatschef Bashar al-Assad auch radikale Islamisten mit Waffen zu versorgen. Zudem würde sie die Augen vor Dschihadisten verschließen, die über die Türkei nach Syrien reisen.

Verdächtiger identifziert


Am Dienstag teilte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu in Sanliurfa, unweit des Anschlagsortes, mit, man habe nun einen Verdächtigen identifiziert. Mögliche Verbindungen ins In- und Ausland würden zwar noch geprüft, es handle sich aber mit "größter Wahrscheinlichkeit" um einen Anschlag der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).