"Wiener Zeitung": Frau Panagiotarea, die griechische Regierung musste bei den Verhandlungen in Brüssel ihren Widerstand gegen die verordneten Sparprogramme aufgeben. Griechenland wird unter Kuratel der Gläubiger gestellt. Sind die Bedingungen der Geldgeber zu hart? Oder sind die Maßnahmen gerechtfertigt?

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Eleni Panagiotarea: Es ist sicher das bisher härteste Bailout-Programm. Daran ist die griechische Regierung nicht ganz unschuldig. Mit dem Referendum hat sie ihre Partner in der Eurozone provoziert. Die von der linken Syriza geführte griechische Regierung sah in dem Referendum einen Sieg der Demokratie. Die Partner in der Eurozone werteten es als ein Nein zur weiteren Mitgliedschaft im Euro. Eben das wirkte sich für die Syriza-Regierung fatal aus: Nach dem Referendum hatte sie es noch schwerer, ihre Partner davon zu überzeugen, dass Griechenland im Euro bleiben will. Es gab ein totales Defizit an Vertrauen. Am Ende hat Griechenland im Grunde in jedem einzelnen Punkt kapituliert.

Abgesehen vom Referendum: Was waren die Hauptfehler der griechischen Regierung?

Ich glaube nicht, dass Syriza einen kohärenten Wirtschaftsplan hatte - einen Plan, wie man Wachstum in der griechischen Wirtschaft fördern und Griechenlands Schulden reduzieren kann. Auch das Regelwerk in der Eurozone hat die Regierung nicht verstanden. Man muss bedenken: Griechenland war Ende letzten Jahres bereits an einen guten Punkt gelangt. Es gab im letzten Quartal 2014 einen Primärüberschuss, die griechische Wirtschaft ist wieder moderat gewachsen. Das Land war am Weg, seine Wirtschaft wieder aufzubauen. Man konnte hoffen, dass Griechenland mittelfristig wieder Zugang zu den Märkten erhält.

War es also die Syriza-Regierung, die diese positiven Entwicklungen beendete und das Land an die Wand fuhr? Ministerpräsident Alexis Tsipras wurde ja im Jänner 2015 gewählt.

Die Syriza-Regierung hat sich hohe Ziele gestellt, vielleicht zu hohe. Statt die nötigen Reformen in Griechenland durchzuführen, ging es ihr mehr darum, die Wirtschaftspolitik der ganzen Eurozone zu verändern. Theoretisch hätte sie dafür auch Verbündete finden können: In der Eurozone hoffen schließlich eine ganze Reihe Länder auf ein alternatives Wirtschaftsmodell, das vor allem auf Wachstum und Investitionen setzt statt auf allzu exzessives Sparen. Aber die Syriza-Regierung hat ihren Vertrauensvorschuss in Europa sehr, sehr schnell verspielt. Mit ihrer radikalisierten Rhetorik und ihrer Art, die Regeln der Eurozone einfach zu ignorieren, hat sich die griechische Regierung keine Freunde gemacht. Sie hat sich selbst marginalisiert.