Das UNHCR fordert die Ausrichtung der Asylsysteme auf "schutzbedürftige Menschen". - © 20150804_traiskirchen
Das UNHCR fordert die Ausrichtung der Asylsysteme auf "schutzbedürftige Menschen". - © 20150804_traiskirchen

Wien/Genf. Wirtschaftsflüchtlinge sollten konsequent abgeschoben werden. Diese Forderung kam am Dienstag nicht aus dem Kreis der üblichen Verdächtigen. Der Europa-Direktors des UN-Flüchtlingshochkommissariates, Vincent Cochetel, will so Platz schaffen für "wirklich schutzbedürftige Menschen".

Zwar ist das UNHCR qua Mandat lediglich für anerkannte Flüchtlinge, also jene die aufgrund von Verfolgung oder Krieg in ihrem Heimatland fliehen mussten, zuständig. Die Unterscheidung zwischen diesen "Asylberechtigten" und "Wirtschaftsflüchtlingen", die vor Armut oder Hunger fliehen, wird jedoch von zahlreichen Hilfsorganisationen kritisiert. Weshalb Cochetels Aussagen umso überraschender kamen.

"Systeme blockiert"

Wirtschaftsflüchtlinge würden das "System blockieren", argumentierte der UNHCR-Direktor gegenüber der dpa. Sie müssten "schneller zurückgeschafft" werden, um "Platz für wirklich Schutzbedürftige zu gewähren", forderte er. "Nur so versteht die Bevölkerung, dass diejenigen, die bleiben, wirklich schutzbedürftig sind." Gegenwärtig würden nur 40 Prozent der Wirtschaftsmigranten "zurückgeschafft", sagte Cochetel, hier müsse die EU "konsequenter sein".

In den Ländern, aus denen Wirtschaftsflüchtlinge kommen, müsste "klargemacht" werden, "dass die Betreffenden kein Asyl erhalten", betonte der UNHCR-Direktor. "Stattdessen braucht es für diese Länder gezielte, kontrollierte Gastarbeiterprogramme, die es einigen erlaubt, saisonale Arbeit in der Landwirtschaft oder auf dem Bau zu verrichten."