Berlin. Innerhalb der deutschen Linkspartei ist ein Streit um die Zukunft des Euro entbrannt. Die designierte Fraktionschefin Sahra Wagenknecht stellte den Euro als europäische Gemeinschaftswährung generell infrage. "Es zeigt sich einfach, dass der Euro nicht funktioniert, sondern immer größere wirtschaftliche Ungleichgewichte erzeugt", sagte Wagenknecht der "Welt".

Wagenknecht begründete ihre Ansicht mit der Gesamtentwicklung in der Euro-Zone, was sich "am dramatischsten" in Griechenland zeige. "Die Währungsunion verengt die Spielräume der einzelnen Regierungen bis zur Handlungsunfähigkeit, das ist eine europaweite Abschaffung der Demokratie durch die Hintertür." Die derzeit stellvertretende Fraktionsvorsitzende ist Wortführerin des linken Parteiflügels. Unterstützung bekam Wagenknecht vom ehemaligen Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine, der auch ihr Ehemann ist. Lafontaine machte sich in der "Jungen Welt" für eine schrittweise Abkehr vom Euro stark. "Ich plädiere für die Rückkehr zu einem Europäischen Währungssystem, das die Erfahrungen, die mit diesem Währungssystem gemacht wurden, berücksichtigt und seine Konstruktion im Interesse aller teilnehmenden Länder verbessert."

Linke-Parteichef Bernd Riexinger hingegen warnt in der "Frankfurter Rundschau": "Wenn nicht gegengesteuert wird in Form eines stärkeren wirtschaftlichen und sozialen Ausgleichs, höhlt das den Euro aus." Allerdings: "Deshalb ziehen wir in der Linken aber nicht die Schlussfolgerung: Raus aus dem Euro! Sondern wir sagen: Wir brauchen eine andere Politik in Europa, die bei uns die Exportüberschüsse abbaut."

"Für mich ist das: Sozialnationalismus." So kommentierte Ökonom Gustav Horn, Leiter des arbeitnehmernahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, den Vorstoß Wagenknechts am Freitag im Kurznachrichtendienst Twitter. Noch am selben Tag löschte er jedoch seinen Eintrag. Weiter online ist aber ein Blogeintrag Horns. Ihm zufolge habe sich nicht der Euro, sondern eine neoliberale Politikausrichtung mit der starken Betonung eines Standortwettbewerbs als nicht kompatibel mit der Währungsunion erwiesen und deshalb Wohlstand vernichtet.