Wien/London/Belfast. (red) Der Rücktritt des nordirischen Regierungschefs Peter Robinson sorgt in Großbritannien und der Republik Irland für Beunruhigung. London und Dublin forderten am Freitag pro-britische Protestanten und pro-irische Katholiken zu Verhandlungen auf.

Über parteiübergreifende Gespräche müssten Wege gefunden werden, um die zerrütteten Beziehungen zwischen den beiden Gruppierungen wieder zu glätten, sagte die britische Nordirland-Ministerin Theresa Villiers am Freitag zur BBC. Villiers sprach sich für eine unabhängige Behörde aus, welche die Auflösung paramilitärischer Gruppen beaufsichtigen solle. Der irische Ministerpräsident Enda Kenny sagte, dass es nur eine "begrenzte Möglichkeit" gebe, den Zusammenbruch der nordirischen Provinzverwaltung zu verhindern.

Der Hintergrund der innenpolitischen Krise: Die eigentlich als aufgelöst geltende Irisch-Republikanische Armee (IRA) wird verdächtigt, ein ehemaliges Mitglied ermordet zu haben. Die Polizei verhaftete vorübergehend einen hochrangigen Funktionär der Katholiken-Partei Sinn Fein, dem einstigen politischen Arm der gewaltbereiten IRA. Das Vorgehen der Polizei wird dahingehend gedeutet, dass die IRA weiter aktiv ist - Sinn Fein bestreitet das.

Im Zuge der Affäre kündigte die protestantische Partei Demokratische Unionisten (DUP), die mit Peter Robinson den Regierungschef stellt, ihre Mitwirkung an der nordirischen Regierung auf. Die DUP ist die stärkste Partei in Nordirland. Arlene Foster, die einzige DUP-Ministerin, die am Donnerstag nicht zurücktrat, führt nominell die Regierungsgeschäfte weiter. Um Neuwahlen zu vermeiden, muss die DUP bis Donnerstag ihre vakanten Ministerposten wieder besetzen.

Martin McGuiness, stellvertretender Regierungschef und Sinn-Fein-Politiker, warnte vor einem Machtvakuum in Nordirland, das von gewaltbereiten Gruppen ausgenützt werden könnte.

Die IRA kämpfte jahrzehntelang für die Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland, die protestantischen Unionisten setzten sich für den Verbleib in Großbritannien ein - der Konflikt forderte 3600 Tote. 1998 wurden die Kämpfe durch einen Friedensschluss beendet. Seitdem teilen sich protestantische und katholische Kräfte die Macht in Nordirland auf. 2002 hatte das Parlament das letzte Mal seine Arbeit suspendiert. Es dauerte fünf Jahre, bis die rivalisierenden Gruppierungen sich wieder auf gemeinsame Gespräche einigten.