Zuletzt wurde der ukrainische Regisseur Oleg Senzow von einem russischen Gericht zu 20 Jahren Haft verurteilt, weil er öffentlich gegen die Krim-Annexion eingetreten ist. Inwiefern ist aus Ihrer Sicht der Vergleich mit sowjetischen Schauprozessen zulässig?

Natürlich ist das ein Post-Stalin-Syndrom. Heute kannst du eine Person einsperren, und Millionen fürchten sich. In diesem Sinne ist es ganz klar, dass dieser Prozess ein Schauprozess ist. Aber eines ist klar: Nur der Druck der internationalen Gemeinschaft kann zu einer Veränderung führen. Wie das auch mit unseren politischen Gefangenen war, die Lukaschenko vor wenigen Tagen freigelassen hat.

Zur Person

Ales

Bjaljazki

ist der berühmteste Menschenrechtler von Belarus. Er hat in Literaturwissenschaften promoviert und 1996 das belarussische Menschenrechtszentrum "Viasna" (Frühling) gegründet. Die Organisation unterstützt politische Gefangene und ihre Familien. 2011 wurde Bjaljazki selbst wegen Steuerhinterziehung zu 4,5 Jahren Straflager verurteilt. Die EU und die USA kritisierten das Urteil als politisch inszeniert. Im Juni 2014 wurde Bjaljazki frühzeitig aus dem Straflager entlassen. Bjaljazki wurde zwei Mal für den Friedensnobelpreis nominier.