Das hat auch schon der andere Nigel, Nigel Farage von der Unabhängigkeitspartei Ukip, vor kurzem verkündet. Camerons "Neuverhandlungen", sagte Farage, brächten ja nichts: "Weder fordert er Kontrolle über offene Grenzen, noch verlangt er Eigensouveränität über britische Belange zurück." Angesichts der Ungewissheit in der Regierungspartei finden es einige Top-Tories schwer, sich auf klare Positionen festzulegen. Innenministerin Theresa May zum Beispiel setzte sich am Dienstag mit einer martialischen Anti-Flüchtlings-Rede in Szene - und scharf vom Rest Europas ab.

Warnung vor Klein-England


Der populäre und bekanntermaßen euroskeptische Londoner Bürgermeister Boris Johnson, von dem es heißt, er könne sich noch an die Spitze der Austritts-Bewegung setzen, hielt sich erst einmal vorsichtig zurück. Viele Zauderer unter den Konservativen schauen auf Johnson. Er, Ministerin May und Finanzchef George Osborne gelten als aussichtsreichste Kandidaten für die Nachfolge Camerons. Osborne muss in der EU-Frage mit Cameron ziehen. Johnson will sehen, woher der Wind im nächsten Jahr weht.

Derweil warnen die Verfechter britischer EU-Mitgliedschaft eindringlich vor einer "nationalen Katastrophe". Sollte Großbritannien wirklich aus der EU driften, glaubt Nick Clegg, vormals Vize-Premier und Chef der Liberaldemokraten, dann würde die Schottische Nationalpartei, die SNP, mit Sicherheit ein erneutes Unabhängigkeits-Referendum fordern, um Schottland von England loszueisen. "Wollen wir denn, dass Großbritannien sich in ein Kleines England verwandelt, das dann ganz ohne Freunde irgendwo im Atlantik herumdümpelt?" fragt Clegg jetzt seine früheren Koalitionspartner. Bei den Konservativen wartet nun alles auf David Camerons vielbeschworene EU-Verhandlungen. Und auf das, was Cameron vom Kontinent mit nach Hause bringt.