Rom/Stockholm. Am Freitagnachmittag sind die ersten 19 Eritreer vom italienischen Flughafen Rom-Ciampino nach Schweden abgereist. Der von der EU beschlossene Umverteilungsprozess von Flüchtlingen zur Entlastung von Italien und Griechenland in andere Länder hat somit begonnen. Das Programm will Rom zügig umsetzen und keine Zeit verlieren. Weitere 100 Flüchtlinge würden in den kommenden Wochen Italien verlassen, um nach Deutschland und in die Niederlanden zu ziehen, erklärte der italienische Innenminister Angelino Alfano.

EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos, der für Migration zuständige Luxemburger Außenminister Jean Asselborn und Alfano verabschiedeten die Migranten vom Flughafen. Anschließend besuchten Avramopoulos und Asselborn ein Aufnahmezentrum auf der italienischen Insel Lampedusa. Die EU-Staaten hatten nach langen Debatten beschlossen, Flüchtlinge aus Griechenland und Italien auf andere Länder umzuverteilen. Insgesamt geht es um die Verteilung von 160.000 Flüchtlingen innerhalb Europas.

Italien versorgt 98.000 Schutzsuchende

Binnen zwei Jahren sollen insgesamt 40.000 Flüchtlinge Italien verlassen. Derzeit versorgt das Land 98.000 Schutzsuchende in seinen Flüchtlingseinrichtungen. "Der Beginn des Umverteilungsprogramms ist ein Sieg Europas, das solidarisch und verantwortungsvoll sein will, das Menschenleben rettet und Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung aufnimmt", betonte Alfano. Er rief das Flüchtlingsdrama vor der Insel Lampedusa in Erinnerung, bei dem vor zwei Jahren - am 3. Oktober 2013 - 366 Flüchtlinge ertrunken waren.

Für Avramopoulos ist die Abreise der ersten Flüchtlinge im Rahmen des Umverteilungsprogramms ein konkreter Beweis, dass in Europa die Solidarität gesiegt habe. "Es war eine riesige Arbeit, alle EU-Länder zu überzeugen, sich an diesem Programm zu beteiligen, das auf den Prinzipien der Solidarität in der EU basiert. Doch wir haben es geschafft", sagte der EU-Kommissar.