London/Wien. Die Umweltschutzorganisation Global 2000 hat am Mittwoch die Klage Österreichs gegen die Subventionierung des britischen AKW-Projektes Hinkley Point C begrüßt. Diese war zuvor auf der Homepage des Europäischen Gerichtshofes in einer Kurzfassung veröffentlicht worden.

"Die Klage zeugt von einem mutigen Auftreten der politisch Verantwortlichen unter Leadership der Bundesregierung zeugt," so Reinhard Uhrig, Anti-Atom-Sprecher von Global 2000, in einer Aussendung. "Wir sehen bereits jetzt Auswirkungen der Klage auf den Willen von Investoren, dutzende Milliarden Euro in dieses wirtschaftlich, energiepolitisch und sicherheitstechnisch schwachsinnige Projekt zu stecken."

Investitions-Unsicherheit

Das 34 Milliarden Euro (24,4 Milliarden Pfund) teure Atomkraftwerk sollte nach ursprünglichen Plänen von den französischen Investoren EDF, Areva und zwei staatlichen chinesischen Atom-Firmen finanziert werden. "Trotz generösester Förderung über 35 Jahre sowie Kredit-Garantien über weitere 24 Milliarden Euro (17 Milliarden Pfund) springen nun die Investoren ab", hielt Global 2000 in der Aussendung fest. "Ihnen bereitet die Investitionsunsicherheit im Erfolgsfall der österreichischen Klage Probleme."

"Die Ratingagenturen Moody"s und Standard & Poor"s haben angekündigt, die Kreditwürdigkeit des Investors EDF im Falle einer Investition in Hinkley Point herunterzustufen, da die wirtschaftlichen Risiken bei einer juristischen Niederlage gigantisch sind", so Uhrig. "Aus Verhandlungskreisen ist zusätzlich durchgesickert, dass die chinesischen Firmen statt 50 Prozent nur noch eine Beteiligung von 30 Prozent wollen. Das schafft massive Probleme für den einzigen verbliebenen Investor EDF."

Nachdem bereits die Staats-Fonds von Kuwait und Katar, die Saudi Electric Company und Hermes Investment Fund abgewunken hätten, sei auch noch der Reaktorbauer AREVA wegen finanzieller Probleme als Investor ausgefallen, hieß es weiter. Areva machte 2014 4,9 Milliarden Verlust und musste vom französischen Staat durch eine Restrukturierung mit EDF aufgefangen werden.

Auch Grüne erfreut

Auch die Grünen zeigten sich erfreut über die Klags-Nebenwirkungen: "Österreich muss auch in Zukunft einen energiepolitischen Anti-Atom-Kurs fahren und sich auf europäischer Ebene dafür einsetzen ", forderte Anti-Atom-Sprecher Matthias Köchl in einer Aussendung.

"Viele Generationen nach uns werden dankbar sein", betonte Köchl. Der im vergangenen Herbst "einstimmig im Nationalrat angenommene Grüne Antrag, der zu einer Klage Österreichs führte", zeige nun Wirkung: "Investoren sehen das wirtschaftspolitisches Desaster und entscheiden sich zunehmend gegen eine Beteiligung."