Dresden. Man kann zwei Versionen dieses Montagabends in Dresden erzählen. Da gibt es die Version des Jubiläums einer fremdenfeindlichen Bewegung, die es auch ein Jahr nach ihrem ersten Aufmarsch schafft, Zehntausende auf die Straße zu bekommen. Da ist aber auch die Geschichte des Gegenprotests, der es nach einem Jahr nun endlich auch geschafft hat, rund 15.000 Menschen gegen Pegida zu mobilisieren.

Die flüchtlings- und islamfeindliche Protestbewegung "Pegida" feierte am Montag ihr einjähriges Jubiläum. Und Zehntausende kamen: Die einen wie jede Woche mit rassistischen Parolen und "internationalen Gästen", wie Pegida-Frontmann Lutz Bachmann angekündigt hat. Die anderen, das ist ein Bündnis aus Kirchen, Gewerkschaften, Parteien und Aktivisten, das zumindest an diesem Tag die Dresdner Innenstadt nicht den Rassisten überlassen wollte. "Herz statt Hetze" heißt der Slogan der einen. "Aus Liebe zu deinem Land" der Euphemismus der anderen.

Von "deutlich mehr als in den letzten Wochen" hatte Dresdens Polizeisprecher Marko Laske schon am Mittwoch gesprochen. Von "harten Rechtsextremisten" und "Rattenfängern" sogar Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der in den vergangenen Wochen meist noch um "Verständnis für die Sorgen und Ängste" warb. Von "Große Sorge, dass das heute mit Gewalt endet" spricht hingegen Jürgen Kasek. Schon am frühen Abend sollte die Angst des Sprechers der sächsischen Grünen bestätigen. Am Rande des Dresdner Theaterplatzes flogen Böller auf Gegendemonstranten. Gruppen organisierter Neonazis verabredeten sich zur späteren Jagd auf "Zecken". "Emotionsgeladen", nannte das die Dresdner Polizei auf Twitter.

Am 19. Oktober 2014 war es, als sich nach einem Aufruf auf Facebook hier 350 Menschen unter dem sperrigen Namen "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" versammelten. Beim friedlichen Protest, den Initiator Lutz Bachmann auch am Montag beschwor, blieb es nie.

Angriffe auf Flüchtlingsheime

Über 500 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte hat das Bundesinnenministerium seit Jahresbeginn gezählt. Angriffe auf Flüchtlinge haben sich gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. Mindestens 40 Menschen wurden dabei teils schwer verletzte. Zuletzt rammte am Samstag in Köln ein Flüchtlingsgegner der Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker ein Messer in den Hals.