Zagreb. (ag) Die kroatische Parlamentswahl am Sonntag bringt erstmals seit dem Ende des Kommunismus und der Selbständigkeit vor einem Vierteljahrhundert Ungewissheit. Denn keine der bisherigen Großparteien, die Sozialdemokraten (SDP) unter Premier Zoran Milanovic oder die oppositionellen Konservativen (HDZ), können mit klaren Mehrheiten rechnen - sagen zumindest die Meinungsforscher. Beide dürften sich mit jeweils nur noch 30 Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Wer am Ende die neue Regierung bildet, wird wohl durch die Kleinparteien entschieden. Ihre Zahl ist größer denn je.

Da sind zum Beispiel die Splitterparteien von Branimir Glavas und dem Zagreber Bürgermeister Milan Bandic. Sie treten nach übereinstimmender Meinung der Medien nur an, um sich der Strafverfolgung und dem Gefängnis zu entziehen - der eine wegen Kriegsverbrechen, der andere wegen Korruption. Die beiden langjährigen Politiker haben ihre Basis im Osten des Landes und in der Hauptstadt. Ihre ein bis fünf Abgeordneten dürften ein gewichtiges Wort bei der Regierungsbildung mitzureden haben, erwarten die heimischen Analysten.

Unklar ist nach den vielen Prognosen, wie die neue Partei Most abschneiden wird. An der Spitze dieses Aufsteigers steht Bozo Petrov, der sich als erfolgreicher Problemlöser in der kleinen Adriastadt Metkovic einen Namen gemacht hat. Der macht Front gegen die beiden Großen SDP und HDZ, weil sie "reformunfähig" seien. Das sehen auch neutrale Wirtschaftskommentatoren ähnlich: Weder die SDP noch HDZ verfügen über Maßnahmen, Kroatien vom Bankrott wegzubringen", schreibt beispielsweise Analyst Luka Popov nach Durchsicht der Programme.

In der Tat drohen die horrende Staatsverschuldung, die allgegenwärtige Korruption und der überdimensionierte Öffentliche Dienst samt komplizierter und teurer Verwaltungsstruktur das Land in den Abgrund zu stürzen. Lösungen für diese Kardinalprobleme sind bei den beiden Großen nicht in Sicht. Dafür haben sich ihre Vorsitzenden, Premier Milanovic und Oppositionsführer Tomislav Karamarko, auch mit persönlichen Verunglimpfungen des jeweils anderen nicht zurückgehalten. Die Folge: "Die politisch-ideologische Polarisierung der Nation war nie größer", schreibt die Zeitung "Jutarnji list".

Die von der HDZ angeführte "Patriotische Koalition" galt lange als Favorit, zuletzt wurde der Rückstand der regierenden Mitte-Links-Koalition immer kleiner.

Peinliche Fehler


Denn der HDZ sind mehrere Fehler unterlaufen, die einen negativen Einfluss haben könnten. Der HDZ-Chef blamierte sich in einem TV-Auftritt, weil er die wichtigsten Punkte seines Wahlprogramms nicht aufzählen konnte. Das Programm selbst, an dem die Oppositionspartei lange Zeit geschmiedet haben soll, wurde als enttäuschend kritisiert. Den Namen "5+" soll die HDZ sogar von einem Politiker aus der bosnisch-serbischen Republika Srpska kopiert haben.