Paris/Wien. Anerkennung hat nach seinem Ableben auch der politische Gegner Helmut Schmidt gezollt. Seine Amtsnachfolgerin Angela Merkel, eine Christdemokratin, würdigte Schmidt als Vordenker der internationalen Zusammenarbeit. Auch lobte Merkel nach Angaben von Fraktionskollegen am Dienstag Schmidts Rolle bei der Etablierung der Weltwirtschaftsgipfel, seinen Kampf gegen den Terrorismus in Deutschland sowie seine Verdienste um den NATO-Doppelbeschluss.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, wie Merkel ein Christdemokrat, lobte Schmidt als herausragende Figur. "Er war ein Freund, der mir, ebenso wie Europa, fehlen wird. Denn mit ihm verlieren wir einen besonderen Menschen, dessen politischer Mut viele bewegt hat", sagte Juncker.  Schmidt habe "politische Ehrlichkeit vorgelebt, seine Beiträge zu politischen Debatten hatten auch deswegen besonderes Gewicht, weil er gradlinig war", erklärte Juncker am Dienstag. Schmidt habe auch "der Mut in die Zukunft zu denken" ausgezeichnet.

"Dieser Mut ist auch sein Auftrag an uns, niemals aufzugeben, wenn es um Europa geht", erklärte Juncker. Dabei habe Schmidt von sich selbst gesagt, er sei kein europäischer Idealist. "Sein Engagement für Europa beweist also, dass dies kein Projekt für abgehobene Idealisten, sondern für europäische Realisten ist. Er ist mit mehr Leidenschaft als viele andere für das Zusammenwachsen des Kontinents eingetreten, auch weil er immer verstanden hat, dass wir zusammenhalten müssen, wenn wir in der Welt eine Rolle spielen wollen." Juncker würdigte Schmidts Rolle bei der Gründung des Europäischen Währungssystems, das die Weichen für den Euro gestellt hat.