"Wiener Zeitung": Wie reagieren Ihre Anhänger darauf, dass Sie mit der Polizei zusammenarbeiten?

El Saadi: Es geht nicht darum, mit wem ich arbeite. Jugendliche, die sich dem Islamischen Staat anschließen, sind in Gefahr. Es gilt, sie zu retten, sie könnten meine Söhne sein. Wir müssen den Leuten zeigen, dass sie keine Angst vor jenen zu haben brauchen, die sich auf Seiten der Syrer stellen. Die wollen nichts in Dänemark anstellen.

Gleichzeitig ist es offensichtlich, dass Sie einer Ideologie nahestehen, die jener des IS nicht unähnlich ist... Auch Sie predigten, dass man eigentlich in einem "richtigen islamischen Staat" leben muss.

Natürlich muss man als echter Gläubiger dem Aufruf folgen, in einen Islamischen Staat zu ziehen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das überhaupt ein islamischer Staat ist. Sie bekämpfen andere Muslime, das passt überhaupt nicht ins Konzept. Wichtig ist, gegen das Assad-Regime zu kämpfen. Ich bin sicher, dass die Jugendlichen, die bei mir waren und dorthin gingen, das wollten.

Wieso haben Sie die Jugendlichen nicht von der Reise abgehalten?

Ich hatte keine Ahnung, was sie vorhaben. Aber die Polizei hat mir klipp und klar gesagt: Hey, wir haben da ein Problem, wir brauchen deine Hilfe, denn du bist anscheinend dafür mitverantwortlich.

Wie sieht diese Hilfe aus?

Seither bemühe ich mich massiv, dass wir hier zwar weiter unseren Glauben, wie wir ihn verstehen, umsetzen, aber eben keine Probleme schaffen. Ich glaube, es funktioniert. Aber es muss schon klar sein: Die Tatsache, dass der Westen so lange zugesehen hat, wie Menschen in Syrien ermordet wurden, hat viele sehr zornig gemacht und jenen Auftrieb gegeben, die für massive Gewalt stehen. Wer sich ausgegrenzt fühlt, ist leichte Beute. Für mich war deshalb der Tag, an dem mich der Polizeipräsident angerufen hat, ein Feiertag: Zum ersten Mal fühlte ich mich als Däne behandelt. Auf Augenhöhe. Denn es ging nicht um die Androhung von irgendwelchen Strafen. Er wollte mit mir ein Projekt starten. Als Partner. Das war schön.