Madrid/Brüssel. (wak) Die Ära der alten Großparteien, die die europäischen Demokratien in den vergangenen Jahrzehnten dominiert haben, scheint auf dem Kontinent zu Ende zu gehen. Denn den Arrivierten ist junge, starke Konkurrenz erwachsen. In Spanien wurde nicht nur die regierende Volkspartei abgestraft, auch die Sozialisten haben am Sonntag das bisher schlechteste Ergebnis eingefahren, zwei Protestparteien - eine links, die andere vor allem für Transparenz und gegen Korruption - sind aus dem Stand fast gleichauf gezogen.

Auch in Portugal konnten die Altparteien in diesem Jahr keine Mehrheit auf sich vereinen. Die Sozialisten regieren nun, nach einem Monat der Unsicherheit, mittels einer von Kommunisten, Grünen und Linksblock gestützten Minderheitsregierung.

Spanien und Portugal sind allerdings Ausnahmefälle, denn Parteien des rechten Spektrums sind in den Ländern der iberischen Halbinsel kein Thema. Sonst hat das Gesicht der Protestparteien durchaus auch nationalistische Züge. In Griechenland brach zwar mit Syriza ein Linksbündnis mit der Tradition, dass sich immer entweder die konservative Nea Dimokratia oder die sozialistische Pasok an der Macht abwechselten. Um eine Regierung zu bilden, ging die Syriza aber eine Koalition mit der rechtspopulistischen Anel ein. Die rechtsextremistische Partei Goldene Morgenröte gewann bei der Parlamentswahl im September 7 Prozent und wurde drittstärkste Kraft.

In Dänemark ist die rechte Dänische Volkspartei nach der Wahl im Juni zweitstärkste Kraft mit 21 Prozent der Stimmen. Bei den Regionalwahlen in Italien im Mai verzeichnete die rechtspopulistische Lega Nord Zuwächse. In Umfragen lag sie im September landesweit bei 14 Prozent und wäre damit drittstärkste Partei. In Frankreich wurde die rechtsextreme Front National zuletzt sogar im ersten Wahldurchgang stärkste Kraft bei den Regionalwahlen.

Allerdings sind nicht alle Länder von einem derartigen Umbruch durch neue Parteien betroffen. Im Mai konnten die britischen Konservativen etwa ihren Vorsprung weiterhin ausbauen und können jetzt ohne den Juniorpartner, die Liberaldemokraten, regieren. Die rechtspopulistische UK Independence Party (Ukip) hat es bei den Wahlen nicht einmal ins Parlament geschafft.

Auch in Deutschland kann Angela Merkels Union gelassen den Wahlen 2017 entgegenblicken. Laut dem aktuellen Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich im Auftrag von "Bild am Sonntag" erhebt, kommt die CDU/CSU derzeit auf 38 Prozent. Die antieuropäische Alternative für Deutschland kommt bis jetzt nur auf acht Prozent.