Madrid. Drei Tage nach der Parlamentswahl in Spanien hat der Chef der liberalen Partei Ciudadanos, Albert Rivera, ein Bündnis mit Konservativen und Sozialisten gefordert. Seine Partei schlage einen Dreier-Pakt vor, "damit niemand aus der Schwäche, der Ungewissheit und der Instabilität einen Vorteil zieht, um das Land auseinanderzureißen", so Rivera unter Bezug auf die Abspaltungstendenzen in Katalonien.

Die regierenden Konservativen hatten bei der Wahl am Sonntag eine schwere Schlappe erlitten. Die Volkspartei (PP) blieb zwar mit 28,7 Prozent stärkste Kraft, verlor aber ihre absolute Mehrheit. Am Mittag wollte sich Regierungschef Mariano Rajoy von der PP, die nun auf einen Koalitionspartner oder eine Duldung angewiesen ist, mit dem Vorsitzenden der größten Oppositionspartei PSOE, Pedro Sanchez, zu Gesprächen über die Regierungsbildung treffen.

Langjähriges Zwei-Parteien-System

Die spanischen Wähler hatten dem seit 1982 funktionierenden Zwei-Parteien-System am Sonntag eine Absage erteilt. Die Zahl der Mandate der PP nahm um 63 auf 123 ab. Die sozialistische PSOE, die wiederholt die Regierung gestellt hatte, kam auf 22 Prozent und 90 Mandate. Die absolute Mehrheit liegt bei 176 Parlamentssitzen. Die Bürgerbewegungen Podemos und Ciudadanos zogen als dritt- und viertstärkste Kraft mit 69 beziehungsweise 40 Sitzen ins Parlament ein.