München/Wien. (red) Terroralarm in München wenige Minuten vor dem Jahreswechsel: Man habe konkrete Hinweise auf einen Anschlag, hieß es, die Menschen sollten sich von größeren Ansammlungen fernhalten. Der Hauptbahnhof und der Bahnhof Pasing wurden geräumt und von Zügen nicht mehr angefahren. Sondereinsatzkräfte sicherten die Gebäude mit schweren Waffen. Wenig später wurde die Warnung konkreter: Der IS plane einen Selbstmordanschlag, es gebe sechs mögliche Täter. Die Hinweise stammten von einem befreundeten Nachrichtendienst.

Zu Neujahr wurde dann schrittweise Entwarnung gegeben. Die Lage sei entspannter, hieß es nach Mitternacht, die Münchner Bahnhöfe waren wieder zugänglich. Dann konnte Innenminister Joachim Herrmann endgültig Entwarnung geben.

Am Tag danach verteidigte die Münchner Polizei ihr Vorgehen. Man habe "gar nicht anders handeln können", als verschärfte Maßnahmen zu ergreifen. Polizeipräsident Hubertus Andrä bezeichnete die Sperrungen "nicht als Fehlalarm". Die Maßnahmen seien "unbedingt nötig" gewesen, so der Polizist vor den zahlreich versammelten Journalisten.

"Es war für uns nicht zu verantworten, auf eine Relativierung der Hinweise zu warten", rechtfertigte Andrä den Großeinsatz. Man habe die Lage beurteilt und die Sperren ohnedies auf Pasing und den Münchner Hauptbahnhof beschränkt. Um exakt 19.40 Uhr habe man über die Bundesbehörden konkrete Hinweise auf geplante Selbstmordanschläge erhalten. Trotz intensiver Ermittlungen, Kontrollen sowie Informationsaustausch mit Sicherheitsbehörden auf Landes- und Bundesebene hätten sich diese "nicht konkretisieren" lassen. Auch aufgrund der Kurzfristigkeit der Bedrohung habe man sich dazu entschlossen.

Auch am 1. Jänner waren 100 zusätzliche Einsatzkräfte im Dienst, die Münchner Innenstadt und Bahnhöfe wurden von bewaffneten Polizisten durchstreift - "um Präsenz zu zeigen", wie es hieß.

Von der Hälfte der fünf bis sieben potenziellen Attentäter hat die Münchner Polizei Personalien übermittelt bekommen. Die Daten seien so konkret gewesen, dass man damit Verdächtige identifizieren könne, hieß es. Es ist aber nicht klar, ob es die genannten Personen überhaupt gibt und ob sie sich in Deutschland aufhalten. Die deutschen Behörden können die Daten jedenfalls vorserst noch nicht zuordnen. Man könne schließlich "nicht im Kaffeesatz lesen", so Andrä gegenüber den Journalisten. An potentielle Terroristen sandte er folgende Warnung: "Wer hier versucht, Unsicherheit in die Bevölkerung zu tragen oder Angst und Schrecken zu verbreiten, wird spüren, mit welcher Konsequenz wir dagegen vorgehen". Wen man als Gefährder einstufe, dem werde "besondere Fürsorge" der Polizei zuteil.