Köln/Wien. Zahllose Deutsche fragen sich, ob sie nach den Vorfällen von Köln und Hamburg der Polizei noch trauen und wie sie ihre Frauen und Töchter künftig schützen können. Man greift zur Selbsthilfe, auf Facebook wurde eine Bürgerwehr gegründet, um potenziell gewalttätige Migranten abzuschrecken. Pfeffersprays finden schon seit längerem reißenden Absatz, Waffenhändler reiben sich zufrieden die Hände.

Parallel dazu erreicht die rassistische Hetze auf Twitter und Facebook einen neuen Höhepunkt. "Das Dreckspack an die Wand stellen und abknallen", heißt es hier, "das Mistvolk muss raus". "Wir brauchen wieder einen Politiker aus Österreich", von "Untermenschen" ist die Rede und davon, dass "dieser Dreck von unserem Stadtbild verschwinden" müsse.

In Düsseldorf hat sich via Facebook eine offiziell unpolitische Vereinigung gebildet, die formell schon 1000 Mitglieder hat und "unsere Damen beschützen" will. Gentlemen der alten Schule - an anderer Stelle wird folgende Befürchtung geäußert: "Schon bald werden die meist jungen und männlichen Kulturbereicherer sich das holen, was sie haben wollen - und zwar mit Waffengewalt."

Asylheime brennen


Dabei wird übersehen, dass der Krieg längst im Gange ist. Die Gewalt geht in erster Linie nicht von Migranten aus - sondern von denen, die sich zu den "echten Deutschen" zählen. Die Zahl der Attacken und Brandlegungen weist seit dem Ausbruch der Flüchtlingskrise im September steil nach oben, die Taten sind fast schon zur Normalität geworden. Im Wochentakt gehen Flüchtlingsunterkünfte in Flammen auf, Gruppen von Rechtsradikalen machen gezielt Jagd auf Ausländer. Syrer, die eben erst der Hölle des Bürgerkrieges entkommen sind, werden krankenhausreif geprügelt.

Die Fakten: Am 24. Dezember bricht in einer Flüchtlingsunterkunft im bayrischen Ort Wallerstein ein Brand aus, elf Menschen müssen in Sicherheit gebracht werden. Vier Tage vorher - das gleiche Bild in einer Asylwerber-Unterkunft in Tutow bei Mecklenburg. Ebenfalls am 20. 12. schlagen Flammen aus einer Flüchtlingsunterkunft auf der Ostseeinsel Rügen, 28 Migranten können sich retten. Am 15 November brennt auf der Ostseeinsel Usedom eine geplante Flüchtlingsunterkunft komplett aus, 15 Migranten können die bereitstehenden Wohnungen nicht beziehen.