Wien/Kabul. (apa/red) "Asyl nur befristet", "Kein Asyl in Österreich", "Ohne Einkommen kein Familiennachzug". Mit dicken Lettern in den afghanischen Landessprachen Dari und Paschto will Österreich Afghanen davon abhalten, sich überhaupt auf den Weg nach Österreich zu machen. Deshalb startet das Innenministerium an Ort und Stelle eine so genannte "Info-Kampagne". Im Internet, im Fernsehen, in Zeitungen und sogar auf Bussen werden Slogans wie "Österreichs Asylrecht nun noch strenger" unters Volk gebracht.

Dass sich die Kampagne an die Afghanen wendet, wundert nicht. Mit rund 25.500 Asylanträgen waren sie im Vorjahr die stärkste Flüchtlingsgruppe in Österreich. Gleichzeitig kehrten nur 189 Afghanen heim. Freilich gab es mit rund 45 Prozent allerdings auch eine hohe Asyl-Anerkennungsquote für Bürger dieses Landes.

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) sprach bei der Präsentation am Dienstag von "sehr vielen innerstaatlichen Flucht-Möglichkeiten" in Afghanistan - das Außenministerium warnt aber auf seiner Website vor Reisen in das Land.

Besonders setzt die Innenministerin auf die geplanten Fernseh-Spots, gebe es in Afghanistan doch viele Menschen, die des Lesens nicht mächtig seien. Gesendet werden dabei vor allem Beiträge mit Heimkehrern, die von enttäuschten Erwartungen berichten sollen. Bespielt werden auch Social Media-Kanäle in den Heimatsprachen. Für die afghanische BMI-Facebook-Seite gibt es jetzt schon über 32.000 "Gefällt mir"-Angaben.

Dazu kommen Inserate in diversen Zeitungen, Online-Inserate sowie Großplakate in den fünf bevölkerungsreichsten Städten Afghanistans. Autobusse mit den unterschiedlichsten Slogans werden hingegen nur in der Hauptstadt Kabul durch die Straßen kurven.

Die vermittelten Botschaften sind eindeutig: Die Afghanen sollen von der Flucht abgehalten werden. "Kein Asyl in Österreich" steht da in dicken Lettern, das vorangestellte "Bei wirtschaftlichen Gründen" geht zumindest auf den ersten Blick unter. Inhaltlich ist die Kampagne laut Innenministerium an einer ähnlichen, damals übrigens umstrittenen Aktion Australiens angelehnt - Kritiker weisen in den sozialen Medien allerdings auf die grafische Ähnlichkeit zu FPÖ-Kampagnen hin. Die Kampagne soll sich nur mit rund 10.000 Euro zu Buche schlagen. Allerdings ist Afghanistan erst Land eins der "Info"-Offensive. In den nächsten Wochen werden ähnliche Aktionen in den Maghreb-Staaten Tunesien, Marokko und Algerien gestartet. Im Kosovo hat das Innenministerium im Vorjahr eine ähnliche Kampagne im Kosovo gestartet, daraufhin gingen die Anträge aus dem Balkan-Land massiv zurück.

Doskozil im Libanon

Verteidigungsminister Hans-Peter Doskozil (SPÖ) reist heute in den Libanon, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Neben einer Zusammenkunft mit den österreichischen Soldaten im Südlibanon steht auch der Besuch eines Flüchtlingsprojektes an. Im Ministerrat wurde am Dienstag, beschlossen, weitere fünf Millionen Euro aus dem Hilfsfonds für Katastrophenfälle im Ausland für humanitäre Hilfe für Flüchtlinge im Libanon sowie für Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge in Griechenland zur Verfügung zu stellen.