Athen/Wien. (is/apa) Seine diplomatische Gewalttour von Wien über die Balkanroute nach Athen vor dem Brüsseler Flüchtlingsgipfel hat EU-Ratspräsident Donald Tusk am Donnerstag mit einem eindringlichen Appell beendet. Gerichtet war dieser aber nicht, wie manche erwartet hätten, an jene Regierungen, die eine europäische Flüchtlingslösung mit nationalen Alleingängen und Verstößen gegen die Genfer Konvention torpedieren, sondern an "an alle potenziellen illegalen Wirtschaftsmigranten". Die Botschaft des Polen an sie: "Wo auch immer Sie herkommen: Kommen Sie nicht nach Europa. Glauben Sie nicht den Schmugglern. Riskieren Sie nicht Ihr Leben und Ihr Geld. Es ist alles umsonst."

Tusk streut griechischer Regierung Rosen

Für das Gastgeberland Griechenland, das derzeit wegen heruntergelassener Grenzbalken am Balkan den gesamten Flüchtlingsstrom aus der Türkei nahezu allein meistert, hatte Tusk bei seinem Tête-à-Tête mit Ministerpräsident Alexis Tsipras Worte der Solidarität parat. "Die EU wird Griechenland nicht alleine lassen", versicherte der polnische Ex-Premier in Athen und erinnerte an die Bereitstellung eines humanitären Nothilfepakets in Höhe von 700 Millionen Euro, das vor allem den Griechen bei der Versorgung der Flüchtlinge zugute kommen soll. Denn ihre Zahl steigt stetig.

Schon jetzt harren 24.000 Schutzsuchende in tristen Auffanglagern mit unzureichender Versorgung im Land aus. Täglich kommen zwischen 2000 und 3000 hinzu, die meisten sind aus dem Bürgerkriegsland Syrien, aus dem Nordirak und Afghanistan, wo radikale Dschihadisten versuchen, Scharia-Regime zu errichten. Ein Weiterkommen Richtung Westeuropa ist für sie wegen der weitgehenden Grenzsperren entlang der Balkanroute nicht möglich. Mazedonien ließ am Mittwoch und Donnerstag insgesamt 510 nur Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak einreisen.

An der Grenze harren aber mehr als 11.000 Menschen aus. Auf der griechischen Seite der Grenze bei Idomeni kam es am Donnerstag erneut zu Protesten: Unzufriedene Flüchtlinge und Migranten legten den Eisenbahnverkehr lahm. Hunderte Menschen blockierten auf den Schienen einen Güterzug, der aus Mazedonien in Richtung Griechenland fahren wollte. Die Menschen skandierten immer wieder: "Open the border" (Öffnet die Grenze). Die Aufnahmelager sind landesweit überfüllt. Neue Lager werden in Nordgriechenland gebaut. Insgesamt rechnet Athen mit bis zu 150.000 Menschen, die in Griechenland in den kommenden Wochen stecken bleiben werden.